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Vorlesen

Eine Bejagung des Wolfs hilft nicht weiter

Die Sprecherin der hessischen LAG Wolf im Interview

Schutz, Herdensicherung und Koexistenz: Warum der NABU Hessen eine Bejagung des Wolfs ablehnt, welche Rolle der Herdenschutz spielt und wie am besten mit auffälligen Wölfen umgegangen werden sollte – im Interview mit der NABU-Wolfsexpertin Inge Till.

Fünf Jahre lang lebte der Wolf "Reinhard" in den nordhessischen Wäldern - Foto: Jochen Dörbecker

Fünf Jahre lang lebte der Wolf "Reinhard" in den nordhessischen Wäldern - Foto: Jochen Dörbecker


Der Wolf ist nach Deutschland und auch nach Hessen zurückgekehrt – und mit ihm viele Fragen, Sorgen und Diskussionen. Während manche eine Bejagung fordern, setzt sich der NABU Hessen klar für den Schutz des Wolfs ein. Im Interview erklärt Inge Till, warum der Wolf weiterhin geschützt werden muss, welche Bedeutung guter Herdenschutz hat und wie ein sachlicher Umgang mit Konflikten gelingen kann.


Sprecherin der LAG Wolf - Foto: Inge Till

Unsere NABU-Wolfsexpertin

Inge Till ist Wolfsexpertin beim NABU Hessen und engagiert sich in der Landesarbeitsgruppe (LAG) Wolf. Sie begleitet das Thema Wolf seit vielen Jahren fachlich und ehrenamtlich und berät unter anderem zu Herdenschutz und Konfliktmanagement.

Der NABU Hessen spricht sich gegen eine Bejagung des Wolfs aus. Was sind die wichtigsten Gründe dafür?

"Zum einen geht es um den Erhalt der Art „Wolf“. Nach aktuellem wissenschaftlichen Stand erreicht er in Deutschland keinen günstigen Erhaltungszustand, die Art ist also dauerhaft nicht so gut abgesichert, dass sie auch in Zukunft in ausreichender Zahl und mit geeignetem Lebensraum überleben kann. Zum anderen sorgt der Wolf als Spitzenräuber dafür, dass natürliche Abläufe im Gleichgewicht bleiben und die Artenvielfalt erhalten wird. Eine unkontrollierte Vermehrung der Wölfe wird es nicht geben, da sich ihre Anzahl auf natürliche Weise reguliert. In Regionen mit vielen Wölfen werden weniger Junge geboren und viele Jungwölfe sterben, z.B. durch den Straßenverkehr oder durch Auseinandersetzungen mit Artgenossen. "


Einige Jäger*innen befürchten, dass der Wolf die jährliche Strecke als Konkurrent negativ beeinflusst. Ist das begründet?

Spuren im Sand

Wolfsspuren im Sand - Foto: Markus Bathen

"In Hessen leben derzeit drei Wolfsrudel, ihnen stehen über 30.000 Jagdscheininhaber*innen gegenüber. Schon dieses Verhältnis zeigt, dass der Einfluss des Wolfs auf die Jagd sehr gering ist. Wölfe erbeuten vorwiegend alte, kranke oder unerfahrene Wildtiere, was zu gesunden Wildbeständen führt und wovon auch die Jägerschaft profitieren kann. Was sich verändert, ist das Verhalten der Wildtiere durch die Anwesenheit des Wolfs: Sie bewegen sich vorsichtiger und wechseln häufiger ihre Aufenthaltsorte. Dadurch kann die klassische Ansitzjagd schwieriger werden. Dieses veränderte Verhalten hat aber auch positive Effekte: Wildtiere schädigen junge Bäume durch den Wechsel ihrer Aufenthaltsorte weniger, davon profitiert auch unser ohnehin geschwächter Wald."


Der NABU Hessen spricht von „solidarischem Herdenschutz“. Was bedeutet das?

Spaziergängerin mit Hund an wolfsabweisendem Zaun - Foto: Inge Till

Spaziergängerin mit Hund an wolfsabweisendem Zaun - Foto: Inge Till

"Wölfe kommen nicht jagend auf die Welt, sondern müssen diese Fähigkeit erst erlernen. Dabei ziehen sie aus positiven und aus negativen Erfahrungen ihre Schlüsse. Treffen junge, wandernde Wölfe auf gut geschützte Weiden und erfahren etwa durch einen funktionierenden Stromzaun einen schmerzhaften Reiz, lernen sie, Weidetiere zu meiden. Sind Weidetiere hingegen schlecht oder fehlerhaft geschützt, lernen Wölfe, dass sie eine leicht erreichbare Beute darstellen. Dieses Verhalten verfestigt sich und betrifft dann auch andere Weidetierhalter in der Region. Guter Herdenschutz ist daher ein solidarischer Beitrag zum Schutz aller Weidetiere."


Wie sollte man mit auffälligen Wölfen, die wiederholt einen guten Herdenschutz überwinden und Weidetiere reißen, umgehen?

"Ziel muss sein, durch flächendeckend guten Herdenschutz zu verhindern, dass Wölfe überhaupt lernen, Weidetiere zu reißen. Dafür benötigen Weidetierhalter eine verlässliche und unkomplizierte Unterstützung durch das Land Hessen. Überwindet ein Wolf trotz nachweislich guten und zumutbaren Herdenschutzes wiederholt die Sicherungen und reißt Weidetiere, sollte dieser Wolf entnommen werden können. Die dafür notwendigen rechtlichen Möglichkeiten bestehen bereits heute (26.01.2026). Eine Gesetzesänderung ist aus Sicht des NABU Hessen nicht erforderlich."


Mehr Infos rund um den Wolf

Wolf - Foto: Christoph Bosch
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Ansprechpartnerin

Sprecherin LAG Wolf - Foto: Inge Till
Inge Till
Sprecherin LAG Wolf sprecher@wolf-hessen.de

Solidarischer Herdenschutz

Spaziergängerin mit Hund an wolfsabweisendem Zaun - Foto: Inge Till

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Herdenschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die über die Eigenverantwortung des Einzelnen hinausreicht.

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Naturführung für Naturfreunde - Foto: Berthold Langenhorst

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Luchs auf Felsen - Foto: Ottfried Schreiter

Der scheue Luchs kehrt zurück

Seit einigen Jahren streifen Luchse durch Hessen. In den östlichen Landkreisen haben sie sich schon niedergelassen und ziehen Nachwuchs groß.

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