Lebensräume vernetzen & Natur verbinden

Biotopverbund

Straßen, Siedlungen und intensive Nutzung zerschneiden unsere Landschaft. Für viele Arten wird es dadurch schwierig, sich auszubreiten oder neue Lebensräume zu erreichen. Ein Biotopverbund verbindet Lebensräume wieder miteinander und hilft so, die Artenvielfalt langfristig zu sichern.
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Blick auf eine Offenlandschaft im Sommer
© Foto: NABU Hessen / Marielle Theiss

Was ist ein Biotopverbund und warum ist er so wichtig?

Ein Biotopverbund ist ein Netzwerk aus Lebensräumen, die miteinander verbunden sind. Diese Verbindungen ermöglichen es Tieren und Pflanzen, sich zu bewegen, auszubreiten und genetischen Austausch zu sichern. Viele Lebensräume liegen heute isoliert voneinander. Straßen, Bebauung und intensive Landwirtschaft schaffen Barrieren, die für viele Arten kaum überwindbar sind. Ohne Verbindung zwischen Lebensräumen gehen Populationen zurück und Arten verschwinden.

So funktioniert der Biotopverbund in der Praxis

Damit Lebensräume wieder zusammenwachsen, braucht es gezielte Maßnahmen in der Landschaft. Drei Ansätze sind besonders wirksam:

Hier schafft Vernetzung Lebensräume

Egal, ob in der Stadt, auf dem Land oder entlang von Flüssen – überall können Lebensräume vernetzt werden. Die folgenden Beispiele zeigen, wie das konkret aussieht:

Stadt

Lebensraum für Mensch und Tier
Auch in Städten leben viele Tierarten, typischerweise Igel, Fledermäuse, Eichhörnchen und viele Vögel wie Mauersegler oder Haussperling. Gebäude, Straßen und versiegelte Flächen erschweren ihre Bewegung, während Grünflächen, Bäume, Dachbegrünung oder naturnahe Gärten Verbindungen und neue Lebensräume schaffen.

Praxisbeispiel: Fledermäuse auf der Streuobstwiese

Streuobstwiesen sind für Fledermäuse besonders wertvolle Lebensräume. Sie bieten ein hohes Insektenaufkommen und damit ideale Jagdbedingungen für die Insektenfresser. Gleichzeitig finden Fledermäuse hier auch Strukturen, die ihnen Orientierung und Schutz bieten. Damit sie Streuobstwiesen als Lebensräume nutzen können, brauchen sie jedoch Verbindungen in der Landschaft. Baumreihen, Hecken oder Waldränder dienen als Trittsteine und helfen Fledermäusen, eine Streuobstwiese zu erreichen. Sind Streuobstwiesen isoliert, werden sie von vielen Arten deutlich seltener genutzt. Erst durch die Einbindung in einen funktionierenden Biotopverbund entfalten sie ihr volles Potenzial als Lebensraum.

© Foto: NABU / Dietmar Nill

Land

Vielfältige Landschaften und vielfältige Bewohner
In unserer heutigen Agrarlandschaft fehlen oft strukturreiche Lebensräume. Große Felder und Monokulturen erschweren die Ausbreitung vieler Arten. Betroffen sind Arten wie Feldhase, Rebhuhn, Feldlerche, Fuchs, Schmetterlinge und vieles mehr. Hecken, Blühflächen, Baumreihen oder extensiv genutztes Grünland verbinden hier Lebensräume und schaffen wichtige Rückzugsorte.

Praxisbeispiel: Wanderschäferei und Biotopverbund

In Hessen wird Biotopverbund gemeinsam mit der Landwirtschaft umgesetzt, immerhin ist sie neben den Kommunen der größte Flächennutzer und -eigner. Ein Beispiel ist die Beweidung durch Wanderschäfer, wie sie im Projekt „Kalkmagerrasenvernetzung“ der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe im Landkreis Hersfeld-Rotenburg umgesetzt wird. Hier befindet sich das FFH-Gebiet „Kalkmagerrasen zwischen Morschen und Sontra“, das aus kleinen, verinselten Vorkommen von arten- und blütenreichen Grasland-Biotopen besteht, die in der Region einst weitverbreitet waren. Durch die Verinselung kommt es jedoch nur noch selten zu einem Austausch an Pflanzensamen und somit folgt eine genetische Verarmung der Populationen. Hier kommen die Schafe ins Spiel: Sie verbreiten die Pflanzensamen über ihr Fell, ihre Klauen und ihren Kot. Dadurch entstehen Verbindungen zwischen isolierten Flächen. Gleichzeitig werden durch die Beweidung strukturreiche und artenreiche Lebensräume erhalten. Diese Kombination aus Nutzung und Naturschutz macht die Wanderschäferei zu einem wichtigen Baustein im Biotopverbund.

Wanderschäfer mit seiner Herde© Foto: NABU Hessen / Hartmut Mai

Fluss

Wasserlandschaften für ökologische Vielfalt
Flüsse und ihre Ufer sind wichtige Lebensräume und Wanderkorridore. Begradigungen und Verbauungen unterbrechen diese Verbindungen, was Bibern, Laubfröschen, Libellen, Eisvögeln und vielen weiteren Arten das Leben erschwert. Renaturierte Flüsse, Ufervegetation und Auen stellen wichtige Verbindungen wieder her und fördern die Artenvielfalt.

Praxisbeispiel: Biber-Dämme für die Artenvielfalt

Der Biber ist ein Landschaftsgestalter, denn durch seinen Dammbau verändert er aktiv seine Umwelt – und schafft dadurch neue Lebensräume. Durch den Bau von Dämmen entstehen strukturreiche Gewässer mit unterschiedlichen Wasserständen und Fließgeschwindigkeiten. Diese Bereiche bieten Lebensraum für viele Arten, darunter Amphibien, Insekten, Fische und Vögel, aber auch Wasserpflanzen. Gleichzeitig verbinden Biber Gewässer und Uferbereiche mit Auen, Auwäldern und Feuchwiesen, sodass zahlreiche Verbindungen zwischen Biotopen geschaffen werden. Durch sein ganz natürliches Verhalten, trägt der Baumeister also dazu bei, Lebensräume zu vernetzen und die Artenvielfalt zu fördern.

 

© Foto: NABU / Oliver Richter

Ansprechpartnerin

Du möchtest in deiner NABU-Gruppe einen Biotopverbund entwickeln oder hast Fragen zur Umsetzung vor Ort? Unsere Ansprechpartnerin berät dich zu Möglichkeiten, Maßnahmen und nächsten Schritten.

Ein Portrait von Marielle Theiss, Referentin für Artenschutz im Offenland beim NABU Hessen.
Marielle Theiß
Referentin für Artenschutz