Frag die Kandidat*innen zur Kommunalwahl
Was tun die Parteien für mehr natürliche Dunkelheit, Grünflächen und Hecken in Dorf und Stadt?
Kommunalwahlen 2026 - Foto: Klaus Piepergrund
Da Natur- und Umweltschutz ein wichtiges Thema aller demokratischen Parteien sein sollte, empfehlen wir, den örtlichen Kandidat*innen einige Fragen zu ihren Wahlprogrammen zu stellen. Als kleine Hilfe skizzieren wir drei Themen, zu denen jede Kommune mit relativ wenig Aufwand viel für den Schutz der Lebensqualität tun kann: Lichtverschmutzung, öffentliche Grünflächen sowie Hecken in Dorf und Stadt.
Frag die Kandidat*innen: Lichtverschmutzung
Kandidatenfrage: Welche Pläne haben Sie, um die Lichtverschmutzung in der Gemeinde bzw. Stadt deutlich zu verringern?
Drei gute Zukunftspläne: Mit diesen drei konkreten Vorhaben kann die Kommunalpolitik mehr gegen Lichtverschmutzung tun
1. Die Anstrahlung öffentlicher Gebäude in der Nacht beenden
2. Alle Straßenlaternen auf insektenfreundliche Beleuchtung umstellen
3. Lampen an Siedlungsrändern, in Stadtparks und an Gewässerufern verringern
Kurzinfo: Lichtverschmutzung und die Störung des natürlichen Rhythmus zwischen Tag und Nacht sind ein großes Problem in Dörfern und Städten. Nächtliches Kunstlicht beeinträchtigt den Lebensraum von Wildtieren erheblich. Viele Tiere nutzen die Dämmerungs- und Dunkelstunden für Nahrungssuche, Fortpflanzung oder Bestäubung. So meiden etwa Fledermäuse beim nächtlichen Ausflug stark aufgehellte Bereiche. Insekten werden vom grellen Nachtlicht geblendet und orientierungslos. Sie fliegen so lange um eine künstliche Lichtquelle herum, bis sie erschöpft sterben. Das Licht in der Nacht wirkt dabei wie ein Staubsauger, es zieht die Insekten aus allen Richtungen magisch an. Tagaktive Tiere und wir Menschen benötigen die natürliche Dunkelheit zur Regeneration. Immer mehr Kunstlicht in der Nacht macht uns krank. Es führt nicht zu mehr Sicherheit auf den Straßen, dafür sind warme Beleuchtung und Bewegungsmelder die bessere Wahl. Mit dem Kunstlicht verblasst auch der Sternenhimmel und kann Zugvögeln nicht mehr als Orientierungshilfe dienen. Das Verblassen der Sterne ist ein Anhaltspunkt für den Grad der Lichtverschmutzung.
Selbst aktiv werden: Rund ums Haus und im eigenen Garten kann jede*r etwas gegen Lichtverschmutzung tun.
- Auf solarbetriebene Dekoleuchten am Balkon und im Garten verzichten
- Bewegungsmelder am Hauseingang richtig einstellen
- Hausfassaden und Bäume nicht anstrahlen
- Alle unnötigen Lichter stets ausschalten
- Notwendige Beleuchtung in warmweiß halten und nicht heller als nötig einstellen
- Nachbar*innen zur Lichtverschmutzung beraten
Frag die Kandidat*innen: Öffentliche Grünflächen
Kandidatenfrage: Was wollen sie tun, um unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt auf öffentlichen Grünflächen stärker zu fördern?
Drei gute Zukunftspläne: Mit diesen drei konkreten Vorhaben kann die Kommunalpolitik mehr für naturnahe Grünflächen tun
1. Auf Grünflächen Naturstreifen mit Blumen für Insekten stehen lassen
2. Auf kommunalen Beeten vielfältige Blühflächen mit Regiosaatgut anlegen
3. Alte Bäume mit einer Baumschutzsatzung konsequent schützen
Kurzinfo: Öffentliche Grünflächen wie Parkanlagen, begrünte Straßenränder, Friedhöfe, Kleingärten und Brachflächen können einen wichtigen Beitrag zum Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt leisten. Da sie im Besitz der Kommunen sind, lassen sich hier ganz einfach gute Maßnahmen zum Naturschutz ergreifen. Für Insekten und Vögel ist es wichtig, Wiesen und Parkrasen nicht ganz zu mähen, sondern Naturstreifen stehen zu lassen, in denen sich eine bunte Blumenvielfalt entwickeln kann. Hier reicht eine zweimalige Mahd im Jahr meist aus. Auf Beeten sollten gebietstypische Blühmischungen ausgebracht werden, die Schmetterlinge, Bienen und Käfer anlocken. Lücken in der Bepflanzung ermöglichen es gefährdeten Wildbienen, Niströhren in den Boden zu graben. Alte Bäume bieten Vögeln gute Nistmöglichkeiten und sollten deshalb nicht gefällt werden. Das Ausbringen von Kunstdünger und Pestiziden hat auf öffentlichen Grünflächen nichts zu suchen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie wichtige Erholungsräume sind und als Luftfilter sowie Temperaturregler wertvolle Dienste im Klimaschutz leisten.
Selbst aktiv werden: Im eigenen Garten und auf dem Balkon kann jede*r etwas für die heimische Tier- und Pflanzenwelt tun
- Blühstreifen für Insekten im Garten und Blühkästen auf dem Balkon anlegen
- Laubhaufen für Igel, Amphibien und Insekten anlegen
- Wilde Ecken im Garten einrichten, in denen sich die Natur frei entwickeln darf
- Teile des Rasens im Garten nur ein- bis zweimal im Jahr mähen
- Ein Sandarium als sonnigen Nistplatz für Wildbienen im Garten anlegen
- Auf künstlichen Dünger und Pestizide ganz verzichten
Frag die Kandidat*innen: Hecken in Dorf und Stadt
Kandidatenfrage: Welche Vorschläge haben Sie, um Hecken als wichtigen Lebensraum für Vögel in der Kommune besser zu schützen?
Drei gute Zukunftspläne: Mit diesen drei konkreten Vorhaben kann die Kommunalpolitik mehr für vogelfreundliche Hecken tun
1. Kommunale Hecken in der Brutzeit bis Anfang Juli ganz in Ruhe lassen
2. Bei Neupflanzungen beerenreiche heimische Sträucher einsetzen
3. Wohnungsunternehmen deutlich auf die gesetzlichen Regeln zum Heckenschnitt hinweisen
Kurzinfo: Hecken aus Wildsträuchern sind Teil unserer jahrhundertealten Kulturlandschaft und ein bedeutender Lebensraum für Vögel. In ihnen ziehen Amsel, Drossel, Rotkehlchen, Gartengrasmücke, Goldammer und weitere Vogelarten ihre Jungen groß. Sie nutzen das dichte Gesträuch als Schutz vor Beutegreifern wie Katzen, Mardern und Turmfalken. Deshalb ist es sinnvoll, Hecken in der Brutzeit möglichst gar nicht zu beschneiden, um die Vögel beim Brüten nicht zu stören. Hecken und frei stehende Sträucher sind ein wichtiger Bestandteil öffentlicher Grünanlagen. Kommunen sollten beim Pflanzen vor allem heimische beerenreiche Sträucher wie Weißdorn, Kornelkirsche, Haselnuss und Liguster nutzen, die nicht nur für Vögel, sondern auch für Insekten und Säugetiere wie Haselmaus und Siebenschläfer wertvolle Nahrung bereit stellen. Sie haben zudem darauf zu achten, dass Hecken in der gesetzlichen Brut- und Setzzeit von Anfang März bis Ende September nicht radikal beschnitten werden. In dieser Zeit ist nur ein vorsichtiger Pflegeschnitt des jeweiligen Jahreszuwachses erlaubt.
Selbst aktiv werden: Im eigenen Garten kann jede*r beim Pflanzen und der Pflege von Hecken einiges für die heimische Vogelwelt tun
- Vor allem beerenreiche heimische Sträucher pflanzen
- Beim Pflanzen von Hecken auf standortgerechte Wildformen achten
- Sträucher in der Brut- und Nistzeit am besten gar nicht beschneiden
- Heckenbrütern mit einer Wassertränke in trockenen Zeiten helfen
- Beeren an Sträuchern im Herbst und Winter für Vögel hängen lassen
- In strengen Wintern mit Eis und Schnee Gartenvögel füttern
