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Vorlesen

Ein Paradies für Spezialisten

Die ehemalige Tongrube Vierstöck und ihr Weg vom Abbau zur Artenvielfalt

Wo einst Ton abgebaut wurde, finden heute seltene Tiere und Pflanzen einen einzigartigen Lebensraum. Mit ihren überraschenden Naturschätzen zählt die Tongrube Vierstöck zu den wertvollsten Lebensräumen der Region. Helfen Sie uns dieses Paradies zu erhalten.


  • Eine große, kegelförmige Tonhalde aus rotem Ton.

    Die große Tonhalde nach der Entbuschung im Frühjahr 2026 - Foto: NABU/Tino Westphal

  • Zwei Tümpel inmitten roter Rohbodenfläche, in der Mitte Schilfbewuchs.

    Stillgewässer mit Schilfbewuchs und flache Temporärgewässer (rechts) - Foto: NABU/Tino Westphal

  • Ein Tümpel innerhalb von roten Rohbodenflächen.

    Amphibiengewässer in der Tongrube Vierstöck, vor dem Abräumen des Schnittguts- Foto: NABU/Tino Westphal

  • Eine große, kegelförmige Tonhalde aus rotem Ton, die mit jungen Kiefern bewachsen ist.

    Die große Tonhalde mit Kieferbestand vor der Entbuschung. Die Rohbodenflächen werden stark beschattet. - Foto: NABU/Tino Westphal

Direkt für dieses Naturparadies spenden!


Ein ganz besonderer Lebensraum

Mitten im Wald bei Reichelsheim liegt die ehemalige Tongrube Vierstöck – ein Ort, an dem die Natur heute langsam zurückkehrt und neue Lebensräume entstehen lässt. Von 1905 bis 2008 wurde hier Ton für die Ziegelherstellung gewonnen und über ein Jahrhundert lang die Landschaft geprägt. Nach dem Ende des Tonabbaus sollte die Grube ursprünglich vollständig verfüllt und wieder aufgeforstet werden. Doch bei genauerer Betrachtung zeigte sich, dass sich auf dem Gelände wertvolle Lebensräume entwickelt haben. Daher wurde beschlossen, Teile der Grube von Auffüllung und Aufforstung auszunehmen und dauerhaft zu erhalten.


Ein Mosaik voller Leben

Ein Grasfrosch sitzt im Wasser

Ein Grasfrosch in einer Wasserrinne am Nordrand der Fläche - Foto: NABU/Tino Westphal

Doch was macht diese Flächen so wertvoll? Es ist ihr Strukturreichtum. Im Westen befindet sich eine steinige, trockene, sonnige Rohbodenfläche. Dort steigt das Gelände sanft an und bietet seltenen, trockenheitsliebenden Tier- und Pflanzenarten ideale Bedingungen.

In direkter Nachbarschaft, am Nordrand des Geländes, finden sich nasse Bereiche, in denen der Tonboden kaum Regenwasser durchlässt und sich viele kleine Wasserstellen und Tümpel bilden.


Blick in das Offenland im Westen der ehemaligen Tongrube Vierstöck

Offenland im Westen der ehemaligen Tongrube - Foto: NABU/Tino Westphal

Die vorhandene kleine und große Tonhalde am Nordrand der Grube bilden einen einzigartigen Lebensraum für seltene Sandlaufkäfer, aber auch für Grabwespenarten. Umgeben von Wald, sind es diese Offenlandbiotope, die besonders wertvoll sind.

Das besondere Mosaik der vielfältigen Lebensräume mit seinen Übergängen zwischen offen und bewachsen, trocken und feucht, führt dazu, dass bestimmte Arten nur dort vorkommen.


Käfer - die heimlichen Stars der Tongrube

Die ökologische Bedeutung von Flächen lässt sich unter anderem an ihrer Artenvielfalt und dem Vorkommen einzelner, seltener Arten bemessen. Für Käfer stellt die Tongrube Vierstöck einen Sonderstandort mit einer außergewöhnlich hohe Artenzahl dar. So konnten 2011 ganze149 Arten aus 25 Käferfamilien nachgewiesen werden! Die Artenliste enthält 5 Rote-Liste-Arten der Bundesrepublik Deutschland und 6 Arten der Vorwarnliste der zurückgehenden Arten.



  • Eine Nahaufnahme eines adulten Berg-Sandlaufkäfers.
  • Eine Nahaufnahme eines adulten Violetten Laufkäfers, er ist schwarz mit violettem Glanz.
  • Eine Nahaufnahme eines Käfers, dem Sumpf-Kreuzläufer. Er ist schwarz mit oranger Zeichnung.

Bei den Sandlaufkäfern und Laufkäfern liegt die Artenzahl mit 57 nachgewiesenen Arten weit höher als in anderen naturnahen Offenland- und Waldflächen des Odenwalds. Auf den zurückgelassenen, kegelförmigen Tonhalden existieren unter anderem große Vorkommen des seltenen Berg-Sandlaufkäfers (Cicindela silvicola) und des Violetten Laufkäfers (Carabus violaceus). In den feuchten Abschnitten lebt der Sumpf-Kreuzläufer (Panagaeus cruxmajor).


Die Natur braucht Raum – und manchmal Hilfe

Ein junger Mann trägt einen abgesägten Ast weg. Im Hintergrund erkennt man eine Tonhalde mit rotem Ton.

Nach der Entfernung der Kiefern bekommt die Tonhalde wieder volle Sonne - Foto: Martina Limprecht

Der NABU Kreisverband Odenwaldkreis und die NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe haben sich der Erhaltung dieses wertvollen Sonderstandorts verschrieben. Mit gezielten Pflegemaßnahmen sorgen sie dafür, dass die Bestände der seltenen Arten langfristig erhalten bleiben.

Die Tonhalden am Nordrand müssen regelmäßig von Bewuchs freigehalten werden. Davon profitieren die Sandlaufkäfer und Grabwespen, aber auch der Neuntöter, der sie als als Jagdgebiet nutzt. Junge Erlen und Weiden werden regelmäßig zurückgeschnitten. Gleichzeitig werden offene Bodenstellen bewahrt sowie die Stillgewässer mit ihren Schilfgürteln und flachen Uferzonen frei gehalten.


Nahaufnahme eines Dünen-Sandlaufkäfers, der auf Sand steht, Hintergrund verschwommen beige.

Ein Herz für Käfer & Co

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Ehemalige Sandgrube "Am Galgenberg" - Foto: Dominik Heinz

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Ehemalige Sandgrube am Galgenberg

Aufgegebene Abbauflächen haben ein enormes Potential Arten, die in unserer intensiv genutzten Landschaft keinen Raum mehr finden, eine optimale Heimat zu bieten. Der Galgenberg ist so ein artenreicher Rohdiamant in der Entwicklung. Mehr →

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Lange kontrastreiche Flügel, ein tief gegabelter rostroter Schwanz und die elegante Flugweise sind die Markenzeichen des Rotmilans - Foto: Dieter Bark

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