Fledermausquartier trotz neuer Dämmung
So einfach wurden Fledermäuse bei der energetischen Sanierung mitgedacht
So kann ein Fledermausfreundliches Haus aussehen - Foto: NABU Hessen / Familie Tönsmann und Linke
Wenn ein Haus energetisch saniert wird, verschwinden oft Spalten, Hohlräume und andere Zugänge, die Fledermäusen oder gebäudebrütenden Vögeln als Quartier dienen können. Familie Tönsmann & Linke wollte deshalb nicht erst reagieren, wenn mögliche Lebensräume bereits verschlossen sind.
Bei der Sanierung ihres Hauses ließ sie ein Fledermausquartier und zwei Nistkästen für Mauersegler direkt in die neue Fassadendämmung einbauen. Für dieses Engagement wurde das Gebäude als „Fledermausfreundliches Haus“ ausgezeichnet. Im Interview erzählt die Familie, wie die Idee entstand, was bei der Umsetzung wichtig war und warum Bedenken wegen Lärm, Schmutz oder Schäden unbegründet sind.
Sie haben bei Ihrer Fassadensanierung ganz bewusst ein Fledermausquartier integrieren lassen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
"In unserem alten Dachstuhl haben bereits Mauersegler gelebt. Wir konnten sie regelmäßig beim Ausfliegen beobachten und haben uns sehr darüber gefreut. Später nahmen meine Frau und ich an einer Fledermausexkursion des NABU teil. Dadurch wurden wir auch auf Fledermäuse und ihre Lebensweise aufmerksam.Bei der Planung unserer energetischen Sanierung war klar, dass viele natürliche Öffnungen am Haus verschlossen werden würden. Deshalb entstand die Idee, neue Quartiere direkt in die Fassade zu integrieren. Wir haben uns für ein Fledermausquartier und zusätzlich für zwei Nistkästen für Mauersegler entschieden."
Wie lief die Umsetzung praktisch ab? Was mussten Sie selbst organisieren und wie wurde das Quartier eingebaut?
"Wir haben zunächst im Internet nach geeigneten Quartieren gesucht. Wichtig waren uns robuste Modelle, die dauerhaft in die Fassade eingebaut werden können. Das Fledermausquartier und die Mauerseglerkästen haben wir selbst bestellt, den Einbau übernahm unsere Fassadenfachfirma. Das Fledermausquartier ist relativ schwer und musste deshalb sicher befestigt werden. Der Chef der Firma hat die Befestigung selbst vorgenommen. Dafür wurden Gewindestäbe durch die Giebelwand geführt und auf der Innenseite des Hauses verankert.
Hinter dem Quartier befindet sich eine Dämmplatte mit einem hohen Dämmwert. Die Holzfaserdämmung wurde passend zugeschnitten und rund um das Quartier sorgfältig abgedichtet. So konnte das Quartier fest in die Fassade integriert werden, ohne auf die Wärmedämmung zu verzichten."
Sanierung und Artenschutz zusammendenken
Bei energetischen Sanierungen werden Fassaden und Dächer möglichst dicht verschlossen. Das spart Energie, kann aber zum Problem für Tiere werden, die Gebäude als Lebensraum nutzen. Fledermäuse finden beispielsweise hinter Verkleidungen, unter Dachziegeln oder in schmalen Spalten Schutz. Auch Mauersegler brüten häufig an Gebäuden.
Wer eine Sanierung plant, sollte deshalb früh prüfen lassen, ob bereits Tiere oder Quartiere am Haus vorhanden sind. Bestehende Quartiere dürfen nicht einfach verschlossen oder zerstört werden. Sind keine Tiere betroffen, können neue, dauerhaft in die Fassade integrierte Quartiere trotzdem sinnvoll sein. Wichtig ist, Artenschutz, Dämmung und Befestigung gemeinsam mit Fachleuten zu planen. So können passende Lösungen gefunden werden, ohne die energetische Qualität der Fassade zu beeinträchtigen.
Viele Menschen befürchten bei Fledermausquartieren Lärm, Schmutz oder Schäden am Haus. Hatten Sie diese Gedanken auch?
"Wir haben uns vorab mit den Tieren, ihrem Anflugverhalten und ihrem Kot beschäftigt. Einige Fragen hatten wir trotzdem. Ein Fledermausexperte des NABU kam deshalb zu einem Termin zu uns und konnte unsere restlichen Bedenken ausräumen.
Das Quartier sitzt weit oben am Haus. Dort können die Tiere ungestört an- und abfliegen. Fledermauskot ist klein, trocken und fällt nach unten. Das Quartier muss außerdem nicht von Menschen gereinigt werden. Schäden am Haus erwarten wir ebenfalls nicht. Fledermäuse nagen nicht an der Bausubstanz und bauen auch keine Nester. Sie nutzen vorhandene Hohlräume lediglich als Rückzugsort."
Haben Sie am neuen Quartier bereits Fledermäuse beobachtet?
"In unserem Garten sehen wir vereinzelt Fledermäuse. Etwa 400 Meter von unserem Haus entfernt befindet sich ein größerer Park. Dort beobachten wir bei Spaziergängen regelmäßig Fledermäuse. Unser neues Fassadenquartier ist bisher noch nicht bewohnt. Das überrascht uns aber nicht. Es kann einige Zeit dauern, bis Fledermäuse ein neues Quartier entdecken und annehmen. Für uns ist entscheidend, dass der Platz jetzt vorhanden ist."
Was macht ein Haus fledermausfreundlich?
Ein fledermausfreundliches Haus kann ganz unterschiedlich aussehen. Möglich sind zum Beispiel:
- vorhandene Quartiere erhalten und Zugänge offen lassen
- Einflugöffnungen nach einer Sanierung wiederherstellen
- Fledermaussteine oder Fassadenquartiere fest einbauen
- geeignete Kästen an der Fassade anbringen
- auf eine insektenfreundliche und möglichst naturnahe Umgebung achten
- bei geplanten Arbeiten frühzeitig fachliche Beratung einholen
Dabei gilt: Nicht jede Lösung passt zu jedem Gebäude. Standort, Bauweise und mögliche vorhandene Quartiere müssen berücksichtigt werden.
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