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Der Froschkönig im Detail

Biologie und Lebensweise des Laubfrosches

Laubfrosch

Wer einmal das Glück hatte, einem etwa 85 Dezibel lauten Chor von Laubfröschen zuzuhören, wird sich wundern, wie klein die Tiere in Wirklichkeit sind: Ein ausgewachsener Laubfrosch erreicht nur eine Körperlänge von 3,5 bis 5 cm und bringt üblicherweise gerade einmal 4 bis 8 g (Männchen 4 bis 6, Weibchen 6-8 g) auf die Waage.
In seiner natürlichen Umgebung ist er durch seine meist grasgrün gefärbte Oberseite perfekt getarnt, die Unterseite ist weißlich-grau. Die Körperoberseite wird durch 2 dunkle Seitenstreifen deutlich von der Körperunterseite abgegrenzt. Diese verlaufen von den Nasenlöchern an beiden Seiten entlang bis zu den Hinterbeinen.

Vom Laich zum goldenen Hüpferling

Laubfrosch

Die Weibchen legen zwischen 10 und 50 wallnussgroße Laichballen mit durchschnittlich 35 Eiern. Diese werden in verhältnismäßig warmen Flachwasserzonen des Gewässers an Pflanzen geheftet.

Nach einigen Tagen schlüpfen aus dem Laich die Kaulquappen. Charakteristisch für die Laubfroschlarven sind die ganz außen stehenden Augen, die eckige Körperform (beides von oben betrachtet) sowie der hohe und weit nach vorne reichende lossensaum. Die Larven benötigen je nach Wassertemperatur zur Entwicklung zwischen 50 und 70 Tagen. Während dieser Zeit ernähren sie sich überwiegend von Algen, aber auch von zahlreichen Kleinstlebewesen.

Vorsicht ist geboten: Dieser Lebensabschnitt birgt viele Gefahren für den Laubfrosch-Nachwuchs: Molche und Fische fressen Laich, Käfer- und Libellenlarven machen Jagd auf die jungen Kaulquappen und auch die jungen Frösche stehen bei zahlreichen Vögeln ganz oben auf dem Speisezettel.

In der Regel im Juli vollzieht sich die Metamorphose von der Kaulquappe zum jungen Frosch bzw. Hüpferling. Diese zu Beginn nur daumennagelgroßen Frösche weisen in der Sonne eine leuchtend goldene Färbung auf.
Unter optimalen Bedingungen können sich die Laubfrösche bereits im darauffolgenden Jahr fortpflanzen und in diesem Fall wieder am Gewässer anzutreffen.
Bedauerlicherweise ist das Laubfroschleben eher kurz: In freier Natur werden sie meist nicht älter als 5 Jahre, so dass man auch daran verdeutlicht bekommt, dass Schutzmaßnahmen um den Laubfrosch regelmäßig und nicht nur einmalig stattfinden müssen.

Akrobatischer Kletterkünstler

Laubfrosch von Dieter Bark

Sobald die Umwandlung von der Kaulquappe zum Frosch vollzogen ist, verlassen die Jungfrösche das Gewässer und suchen Büsche und Hochstaudenfluren (z. B. Brombeerhecken) in der Nähe auf.
Die Alttiere suchen nach der Fortpflanzungsperiode ebenfalls wieder das Land auf und verbringen größten Teils des Sommers in Hecken, Büschen und sogar Baumkronen, wo sie sich von Insekten ernähren.

Diese Kletterei hat dem Laubfrosch auch den Namen „Wetterfrosch“ eingebracht, denn besonders die jungen Laubfrösche klettern an sonnigen Tagen höher, als an regnerischen.

In Bezug auf das Phänomen "Wetterfrosch im Glas" sei erwähnt: Das Klettern hat einen einfachen Grund: Die Laubfrösche klettern aus Mangel an Sauerstoff am Boden der Gläser auf die obersten Sprossen der eingestellten kleinen Leitern.

Fortpflanzungsgewässer

Froschtuempel

Zur Fortpflanzung besiedeln Laubfrösche flache, pflanzenreiche und voll besonnte Stillgewässer mit offenen Wasserflächen, die sich dadurch schnell erwärmen, da die Larven ein hohes Wärmebedürfnis besitzen, die eine Wassertemperatur von 24 bis 28 ° Celsius bevorzugen und unter 15° Celsius ihr Wachstum einstellen.

Da Fische zu den größten Feinde des Laubfrosches bzw. seiner Larven gehören, schließen sich gemeinsame Vorkommen von Fischen und Laubfröschen in aller Regel aus. Deshalb ist es durchaus von Vorteil, wenn das Gewässer im Spätsommer auch einmal austrocknet. Dann haben die Larven ihre Umwandlung zum Frosch bereits hinter sich und Fische oder andere Fressfeinde können sich nicht dauerhaft im Gewässer etablieren.

Laubfrosch-Gemeinschaften besiedeln zumeist mehrere eng beieinander liegende Laichgewässer, zwischen denen ein reger Individuenaustausch herrscht. Man spricht in solchen Fällen von Metapopulationen. Optimal ist aus diesem Grund ein Verbund von vielen geeigneten Gewässern in überwiegend extensiv genutzten Grünlandgebieten mit hohen Grundwasserständen, wobei diese Bereiche möglichst nicht von Straßen oder anderen anthropogenen Bauten zerschnitten sein sollten.

Landlebensräume

Froschlandschaft

Ein geeigneter Laubfrosch-Lebensraum muss nicht nur gute Laichgewässer umfassen.
Ebenso wichtig ist eine vegetationsreiche Umgebung, da Laubfrösche die meiste Zeit des Jahres an Land verbringen . Dabei bleiben sie selten am Boden, sondern suchen sich Sitzwarten auf Hecken, Büschen und Bäumen, die in der Regel nicht weiter als 500 Meter vom Laichgewässer entfernt liegen. Dort geben sie sich gerne ausgiebig dem Sonnenbaden hin.
Damit sie dabei nicht austrocknen, müssen diese Plätze möglichst windgeschützt sein und eine hohe Luftfeuchtigkeit inne haben. Zudem benötigen sie ein geeignetes Nahrungsangebot, damit sich die kleinen Frösche ein Fettpolster für die Überwinterung anfressen können. Am beliebtesten sind Brombeerhecken, die mit ihren breiten Blättern günstige Sitzwarten aufweisen. Aufgrund der langen Blüh- und Fruchtphase stehen den ganzen Sommer Insekten zur Verfügung. Außerdem schützen die dornigen Ranken die Frösche vor Fressfeinden.

Im Spätherbst sucht der Laubfrosch ein frostfreies Winterquartier, z. B. Erdhöhlen, Baumstubben oder Laubhaufen, das in einem möglichst engen räumlichen Verbund mit dem Laichgewässer und dem Sommerhabitat liegt. Distanzen bis zu einen Kilometer vom Laichgewässer sind günstig und die Regel. Erst zur nächsten Paarungssaison kommen die Tiere wieder zum Vorschein, so dass man ab Ende März wieder mit den ersten Laubfröschen rechnen kann.

Literaturhinweise

GEIGER, A. (Hrsg., 1995): Der Laubfrosch (Hyla arborea) – Ökologie und Artenschutz. – Mertensiella 6, 196 Seiten

GLANDT D. (2004): Der Laubfrosch – ein König sucht sein Reich. Laurenti-Verlag, Bielefeld,
128 Seiten

GROSSE, W.-R. (1994): Der Laubfrosch (Hyla arborea). Neue Brehm Bücherei, Bd. 615, Westarp Wissenschaften, 211 Seiten

HILL, B. T. u. C. GESKE in: HESSEN-FORST FENA (2010): Artenschutzinfo Nr. 8 - Der Laubfrosch in Hessen, Gießen, 26 Seiten

POLIVKA, R. u. B. T. HILL (2008): Artenhilfkonzept Laubfrosch (Hyla arborea) in Mittel- und Nordhessen - Aktuelle Verbreitung und Maßnahmenvorschläge. Gutachten im Auftrag von Hessen-Forst FENA, Bioplan Marburg, 156 Seiten und Anhang

POLIVKA, R. u. B. T. HILL (2009): Artenhilfkonzept Laubfrosch (Hyla arborea) in Südhessen - Aktuelle Verbreitung und Maßnahmenvorschläge. Gutachten im Auftrag von Hessen-Forst FENA, Bioplan Marburg, 137 Seiten und Anhang

Weiterführende Links

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