Hessen.NABU.de Projekte Vogel des Jahres Turmfalke 2007

Turmfalke 2007

Vogel des Jahres 2007: Der Turmfalke

Stellvertreter für allgemeinen Schutz unserer Greifvögel

Der NABU hat den Turmfalken zum "Vogel des Jahres 2007" gekürt. Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist mit seinen rund 35 Zentimetern Körpergröße und 75 Zentimetern Flügelspannweite ein kleiner Verwandter des ersten Jahresvogels überhaupt, dem 1971 gewählten Wanderfalken. Im Gegensatz zum damals vom Aussterben bedrohten Wanderfalken ist der Turmfalke kein ganz seltener Vogel.

Turmfalke

Dennoch gehen die Bestandszahlen im Bundesgebiet langsam, aber stetig zurück. Auch wenn er nicht auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht und die Bestände in manchen Regionen wie in Hessen weitgehend stabil geblieben sind, hat die Zahl der Turmfalken in einigen Teilen Deutschlands in den vergangenen 30 Jahren deutlich abgenommen.

Auf Turmfalken lauern einige Gefahren, die seinen Bestand auch in Hessen mittelfristig deutlich gefährden können: Freie Flächen an den Stadt- und Dorfrändern werden zunehmend durch Straßen und Neubauten versiegelt, Nistmöglichkeiten an geeigneten Gebäuden bei Sanierungen häufig verschlossen und Kirchtürme oftmals von außen unzugänglich gemacht. Dem Turmfalken fehlt es damit zunehmend an Nistplätzen.

Kirche

Auferstehungsgemeinde Ffm-Praunheim.

Durch das Ausbringen von künstlichen Nisthilfen wird dem in Hessen jedoch deutlich entgegengewirkt. So brütet ein erheblicher Teil der Turmfalken in an Kirchtürmen und anderen hohen Gebäuden angebrachten künstlichen Niststätten, wie etwa hier im Turm der Auferstehungsgemeinde im Frankfurter Stadtteil Praunheim.


Auf Frankfurter Welle

Frankfurter Turmfalken profitieren von Nisthilfen, die durch engagierte Helfer angebracht wurden.

Deren Zahl ist vielfach der Faktor, der den Bestand am deutlichsten begrenzt. In unserem Bundesland profitiert der Turmfalke dabei zusätzlich von Schutzbemühungen für andere Arten. So nutzt er Nistkästen zur Brut, die eigentlich für Schleiereulen angebracht wurden. Versierte Vogelschützer bauen Nisthilfen ein, die von beiden Arten genutzt werden können.

mehr Mehr Informationen zum Turmfalkenschutz an Gebäuden

Pestizide bedrohen viele Greifvögel

Turmfalke zeigt Gefährdung vieler Greifvögel an

Turmfalke im Ruettelflug

Der Turmfalke steht stellvertretend für den gesamten Greifvogelschutz. Greifvögel sind zunehmend durch den Einsatz von Pflanzen- und Insektenschutzmitteln in der Landwirtschaft bedroht. Als Endglieder in der Nahrungskette werden sie durch ihre Beute, die sich vom Feld ernährt, regelrecht vergiftet. Eine naturverträgliche Landwirtschaft mit breiten Acker- und Wegrändern, die ohne Insektizide und Pestizide auskommt, sind wichtige Schutzmaßnahmen für den Turmfalken und andere Greifvögel.

Ein oft übersehener - positiver - Zusammenhang besteht übrigens zu Krähenvögeln: In der freien Landschaft nutzt der Turmfalke zur Brut nämlich gern alte Elstern- und Krähennester.

Lebensraumveränderungen können sich negativ auswirken. Die offenen Landschaften - sein bevorzugtes Jagdrevier - werden vielfach immer eintöniger. Es fehlen zunehmend Hecken, einzelne Bäume und Pfähle, die der Vogel als Ansitz für die Jagd nutzt.

Eines der wichtigsten Kennzeichen des Turmfalken ist der Rüttelflug. Dabei späht er mit heftigen Flügelschlägen und breit gefächertem Schwanz in der Luft stehend nach Mäusen, Eidechsen und Insekten, die er im schnellen Stoßflug geschickt erbeutet. In Deutschland leben knapp 50.000 Turmfalken-Paare. Europaweit gibt es etwa 350.000 Brutpaare. Der Turmfalke ist damit die häufigste Falkenart in Europa.

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