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Wald und Naturschutz

Im Zeichen des Dünsbergs

NABU-Bewirtschaftungsprinzipien haben sich bewährt

Naturwaldgemeinde Biebertal

Bereits 1996 war Biebertal die erste hessische Gemeinde, die für 10 Jahre diese Auszeichnung erhielt. Bundesweit gibt es 15 Naturwaldgemeinden. Bürgermeister Thomas Bender begrüßte die große Akzeptanz der Biebertaler Bürger für die naturnahe Bewirtschaftung des Gemeindewaldes. Statt dem Einsatz schwerer Maschinen solle auch in Zukunft Waldbewirtschaftung mit Augenmaß praktiziert werden. Durch die Förderung der Naturverjüngung konnte die Gemeinde Kosten für Neuanpflanzungen in der Größenordnung von einigen Zehntausend Euro einsparen. Statt Großmaschinen sind in Biebertal Menschen im Einsatz: 4 Waldarbeiter beschäftigt die Gemeinde, es sind dies deutlich mehr als in vergleichbaren anderen Gemeinden. Derzeit erwirtschaftet die Gemeinde rund 250.000 Euro € pro Jahr im Gemeindewald.

Eisvogel

Die Anwendung der Naturwaldprinzipien habe sich bewährt, führte auch Revierförster Peter Moos aus. Der Verzicht auf Chemie war eine sinnvolle Entscheidung, denn Schäden durch Insekten konnten mit biologischen Methoden gering gehalten werden. Auch wurde durch die Biebertaler Jäger für waldökologisch tragbare Wilddichten gesorgt, damit Naturverjüngung nicht verbissen wird. Der Anteil von stehendem und liegendem Totholz hat sich in den letzten 10 Jahren bereits erhöht. Solche Strukturen sind unverzichtbar für viele Waldbewohner. Insbesondere alte und auch abgestorbene Bäume hätten als Höhlen- oder Horstbäume eine Schlüsselfunktion im Wald.


Altbuche

Auf insgesamt 40 ha verzichtet die Gemeinde auf die Holznutzung und überlässt den Wald ganz der Natur. Hier können die Bäume ihr maximales natürliches Alter erreichen und irgendwann zusammenbrechen. Je vielfältiger der Lebensraum, desto mehr Artenvielfalt ist zu erleben. Der Erfolg zeigt sich bereits durch die Zunahme der Spechtarten. Den Spechten folgen andere Höhlenbrüter nach, wie die Hohltaube oder auch Fledermäuse. Der Wert des Biebertaler Waldes wird auch durch seine Schutzgebiete deutlich: 30 ha sind Europäische Naturschutzgebiete.

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Die NABU-Naturwaldkriterien

Naturwaldgemeinde Biebertal

1. Verzicht auf Kahlschlag. Als Kahlschlag gilt bereits eine Flächengröße, deren größter Durchmesser die Baumhöhe des umgebenden Baumbestandes überschreitet.

2. Naturverjüngung hat Vorrang. Sie wird vor Wildverbiß geschützt.

3. Verzicht auf Chemieeinsatz. Die Naturwaldgemeinde unterläßt jeglichen Einsatz von Pestiziden (Unkrautvernichtungsmittel, Insekten- oder Mäusegifte).

4. Einsatz von sanften Betriebstechniken. Waldarbeiterstellen werden erhalten, Rückepferde eingesetzt.

5. Aktiver Waldnaturschutz. Die Gemeinde betreibt aktiven Naturschutz im Wald. Sie sichert einen angemessenen Totholzanteil und nehmen einen Anteil vollkommen aus der Nutzung, um eine beispielhafte Rückführung in einen Natur-/Urwald zu ermöglichen.

6. Sicherung tragbarer Wilddichten. Zusammen mit der Jägerschaft wird für einen Wildbestand gesorgt, der eine Naturverjüngung des Waldes uneingeschränkt zuläßt. Voraussetzung hierfür ist u.a. ein ausnahmsloses Fütterungsverbot.

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Luchs in Mittelhessen

Rund um den Vogelpark Herborn streift seit Weihnachten ein Luchs durch die Wälder

Luchs

Der Luchs wurde in Hessen im 19. Jahrhundert ausgerottet. Die Art zeichnet sich durch außerordentlich große Jagdgebiete aus: Das Männchen braucht bis zu 300 Quadratkilometer, das Weibchen etwa 100 Quadratkilometer. Der Luchs ist bis zu 1,10 m lang, 50-75 cm groß und etwa 25 kg (max. 36 kg) schwer.

Er hat ein breites Beutespektrum von Mäusen über Hasen und Füchse bis zu größeren Tieren wie Rehen und gelegentlich auch Rothirsch oder Wildschweine. Er benötigt pro Jahr etwa 60 Rehe oder vergleichbar große Tiere als Nahrung. Bei einer Zahl von 66.000 geschossenen Rehen im letzten Jahr kann von einem "Schaden" des heimlichen Räubers nicht gesprochen werden. Schafhalter sollten entschädigt werden, so der NABU, damit ihnen kein wirtschaftlicher Schaden entsteht.

Luchs-Spur

Die Rückkehr des Luchses zeigt, daß der Artenschutz eine Chance in Hessen hat. Der NABU begrüßt vor allem, daß auch die Jäger sich über die Rückkehr der 50-75 cm großen Katze freuen.

Entscheidend ist, daß bei allen zukünftigen Verkehrsplanungen Rücksicht auf die Wanderwege der Luchse genommen wird. Tunnel, Unterführungen und vor allem Grünbrücken können den schönen Tieren das Überleben in unserer Landschaft erleichtern.
Um den attraktiven großen Säugetieren, zu denen auch die Rothirsche und die Wildkatze gehören, die Möglichkeit zur Ausbreitung zu geben, müssen ihre Wanderkorridore erhalten werden.

Wo die Wanderrouten durch stark befahrene Straßen versperrt sind, müssen Wege der Öffnung gesucht werden, um die Lebensräume wieder zu vernetzen. Dies können Tunnel oder möglichst Grünbrücken sein. Der NABU will wichtige Wanderrouten ermitteln und öffentlich darstellen, damit den Planungsträgern Rücksicht darauf nehmen können.

Der NABU zieht dabei mit dem Landesjagdverband an einem Strang, der zu diesem Thema auch schon viele Vorschläge gemacht hat.

Luchs-Seitenportrait

Foto: Ottfried Schreiter

Die vorgestellten Beobachtungen sind nicht die ersten in Hessen: Bereits seit 1999 wurde in den Wäldern des Ringgaus im Werra-Meißner-Kreis 21 mal ein Luchs beobachtet. Auch im Spessart gab es 5 Sichtungen. Im Jahr 1999 gab es im Arnsberger Wald in Nordrhein-Westfalen einen Luchs, im Jahr 1999 auch im hessischen Waldeck-Frankenberg.

Bisher ist nicht geklärt, woher die Zuwanderer kommen. Die nächsten Luchsvorkommen gibt es im Harz (Wiederansiedlung im Jahr 2000) und im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tschechien. Lange Wanderungen sind durchaus möglich, aber auch eine illegale Aussetzung aus einem Tierpark kann nicht ausgeschlossen werden. Bisher handelt es sich um Einzeltiere. Eine Vermehrung ist bisher in Hessen nicht sicher nachgewiesen.

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NABU kritisiert geplanten Gifteinsatz im Wald

Borkenkäfer als Folge einer verfehlten Forstwirtschaft

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Der NABU hat die Pläne des Landesbetriebs Hessen-Forst zum Gifteinsatz gegen den Borkenkäfer kritisiert. Das Kontakt- und Fraßgift "Karate" sei keineswegs ungefährlich, sondern zeichnet sich durch große Breitenwirkung aus und kann bienengefährlich sein. "Der Borkenkäfer ist die Folge einer verfehlten Forstwirtschaft", so Prof. Rüdiger Wagner, Landesvorsitzender des NABU. Die PEFC-Zertifizierung erweise sich als "Feigenblatt".

Laubwälder, wie sie in Hessen eigentlich heimisch wären, bleiben vom Borkenkäfer verschont. Daher ist ein naturnaher Wald gegenüber der massenhaften Vermehrung von Insekten viel unempfindlicher, als Fichtenreinbestände.

Der Naturschutzbund fordert die Landesregierung daher auf, in Zukunft stärker als bisher auf den Aufbau naturnaher Wälder zu setzen. Kritik übt Wagner auch an der "Pseudo-Zertifizierung" des Holzes im Staatswald: Es zeige sich nun, dass das sogenannte PEFC-Zertifikat, dass der Hessen-Forst vertritt, geringwertig sei, denn es lässt den Gifteinsatz zu. Hingegen gelte bei der von den Naturschutzverbänden geförderten FSC-Zertifizierung ein grundsätzlicher Verzicht auf Düngemittel oder chemische Biozide.

Gifteinsatz im Wald sei immer ein Eingriff in die Nahrungskette und schädigt das Ökosystem im Wald. Dem kurzfristigen Erfolg stehen langfristige Nachteile gegenüber. Es sei ein kurzfristiges Kurieren von Symptomen, statt wirklicher Ursachenbekämpfung. Neben der Förderung naturnaher Bestände gehört dazu nach Auffassung des NABU nach wie vor ein wachsamer Blick auf die Luftreinhaltung. Denn wo die Käfer geschwächte Nadelholzbestände vorfinden, haben sie ein leichtes Spiel.

Die Buchenwälder

Zur Pflege, Erhaltung und Bewirtschaftung

Buchenbestand

Die Buchenwälder stellen das flächenhaft bedeutendste Primärwald-Ökosystem in
Deutschland dar. Vor den großflächigen Waldrodungen ab dem 9. Jahrhundert waren große Flächen des jetzigen Deutschland mit Buchenwäldern bedeckt. Im nordostdeutschen Tiefland waren das besonders die Grund- und
Endmoränenstandorte. Die Buche war eine der letzten Baumarten, die sich nach der Weichseleiszeit aus ihren Rückzugsgebieten in der kaspischen Region hier wieder eingewandert ist. Das ist ihren Standortansprüchen begründet, denn sie ist relativ anspruchsvoll. Sie bevorzugt nährstoffreichere Böden und mehr das atlantische als das kontinentale Klima. Im globalen Maßstab hat sie im Gegensatz zu der Kiefer ein relativ kleines Weltverbreitungsgebiet. Es reicht von Frankreich über Deutschland bis Südschweden und Ostpreußen sowie auf den Balkan und im Süden bis Sizilien. Deutschland ist das Kernland der Buche und besitzt deshalb eine hohe internationale Verantwortung zum Schutz und Erhalt der Buchenwälder.

Doch gerade den Buchenbeständen ging es über viele Jahrhunderte hart an den
Kragen. Sie wurden zur Gewinnung von Bau- und Brennholz sowie durch die Waldweide stark geplündert. Da die natürliche Verjüngung sich nicht immer "wie aus einem Guss" einstellt, wurden große Flächen ehemaliger Buchenwälder mit den schnellwachsenden und ertragsreichen Baumarten Fichte und Kiefer ersetzt. Noch zu DDR-Zeiten wurde bei ausbleibender Naturverjüngung schnell zur Fichte oder anderen Baumarten gegriffen. Heute sind die Rotbuchenwälder und -forste in Deutschland auf 8% ihres Areals zurückgedrängt und auch die noch vorhandenen Bestände werden oft naturfern bewirtschaftet.

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