Hessen.NABU.de Naturschutz Nationalpark Kellerwald Lebensräume des Kellerwaldes

Wälder, Auen und Extremstandorte

Der Klassiker

Bodensaurer Buchenwald - der Unterschied zum Nationalpark Hainich

Buchenpflanze

Der Kellerwald ist die am stärksten bewaldete Naturraumeinheit Nordhessens. Die vorherrschende natürliche Waldgesellschaft der Nationalpark-Region ist der anspruchslose submontane Hainsimsen-Buchenwald. Er tritt je nach Nährstoff- und Wasserversorgung sowie Exposition in armen, verhagerten, reicheren oder von Farnen beherrschten Ausbildungen auf. Seine Wuchsorte sind nährstoffarme Hänge und Kuppen auf Silikatgestein.

Die in der Regel spärlich ausgeprägte Krautschicht wird von Säurezeigern wie Weißer Hainsimse, Heidelbeere oder Drahtschmiele beherrscht. Montan geprägte Berg-Buchenwälder wachsen nur stellenweise in den höheren Lagen des Kellerwaldes über 500 m, z. B. im Nationalpark am "Traddelkopf", oder in den Gipfellagen des "Hohen Kellerwaldes" im Südosten der Nationalparkregion.

Waldaspekt

Anspruchsvolle Buchenwälder vom Typ Perlgras- bzw. Waldmeister-Buchenwald finden sich im Nationalpark relativ selten und meist kleinflächig. In besonders schöner Ausprägung findet man sie in den vom Diabasvulkanismus geprägten Kuppenlandschaften des mittleren Urfftales und der angrenzenden Berghänge. Kalkbuchenwälder nehmen nur am Nordostrand des Nationalparkes und in der Gegend von Bad Wildungen einen größeren Raum ein. Hier finden sich auch sehr schutzwürdige, artenreiche Orchideen- und Blaugras-Buchenwälder.

Sonderstandorte

Trockene Extremstandorte lockern das Waldmeer auf

Kellerwald-Pfingstnelke

Pfingstnelken im Kellerwald

Recht vielfältig ist die Ausstattung der Nationalpark-Region an Waldgesellschaften der Sonderstandorte. Traubeneichenwälder sind bezeichnend für die flachgründigen oder felsigen Schiefer- und Grauwacken-Hänge. Sie finden sich in europaweit einzigartiger Ausprägung am Nordufer des Edersees, wo der wildromantische "Knorreichenstieg" dem Interessierten ein echtes Urwalderlebnis bietet. Weitgehend natürliche Biotopstrukturen in diesen trocken-warmen Bereichen bilden auch die verschiedenen Felsfluren mit trockenheitsresistenten Pflanzen wie der europaweit gefährdeten Pfingstnelke, mit Graslilie, Felsenmispel und zahlreichen spezialisierten Kleintierarten.

Schlucht- und Hangwälder

So steil, dass oftmals ungenutzt

Blockschutt

Blockschutthalde

Von ebenso überregionaler Bedeutung sind die edellaubholzreichen Blockschutt-, Schlucht- und Hangwälder mit ihren beeindruckenden Waldbildern. Besonders vielfältig ausgebildet sind diese Waldgesellschaften im Nationalpark, aber auch im Umfeld des Nationalparkes, wie im Lengelbachtal bei Frankenau oder an den Hängen des mittleren Urfftales. Kennzeichen dieser Wälder ist die besondere Baumartenzusammensetzung. In den trockeneren, besonnten Bereichen herrschen Linde und Bergulme vor, in den feuchteren Schatthangausbildungen sind es Esche und Bergahorn, die das Waldbild bestimmen.

Bachauen

Im Wechselspiel von Licht und Farben

Bachtal im Kellerwald

Weidenauwald im Banfetal

Charakteristisch für die Nationalparkregion sind weiterhin die Bachauenwälder der ausgedehnten Waldwiesentäler mit ihren vielen schmal eingekerbten Nebentälchen. Der Hainmieren-Bacherlenwald herrscht hier vor. Zerstreut finden sich auch der Winkelseggen-Bacheschenwald auf reicherem Untergrund sowie Fragmente von Erlenbruchwäldern. Besonders naturnahe ausgedehnte Feuchtwaldkomplexe, wie z.B. Walzenseggen- und Bärlapp-Erlenbruchwald, finden sich am östlichen Unterhang des Hohen Kellerwaldes an der südöstlichen Grenze des Naturraumes. Fragmentarisch ausgebildet säumen Eichen-Hainbuchenwälder als Reste der Hartholzauen die wechselfeuchten Hangfüße einiger Täler. Die schönsten Ausbildungen dieses Waldtyps finden sich im Nationalpark und in den Wäldern in der Umgebung von Bergfreiheit. Ähnliche Waldtypen treten als Reste ehemaliger Nieder- und Mittelwälder auf, die durch menschliche Nutzung entstanden sind.

Bachlauf im Kellerwald

Banfe

Die freie Landschaft außerhalb der geschlossenen Wälder weist aufgrund der in der Nationalparkregion erhalten gebliebenen, kleinräumig strukturierten extensiven Landwirtschaft eine überdurchschnittlich hohe Biotop- und Artenausstattung auf.

Schöne Waldwiesentäler, Bachläufe mit Ufersäumen sowie ein hoher Anteil an blumenreichen Wiesen und Weiden prägen das Bild. Hervorzuheben sind hier die wildromantischen Talauen von Banfe und Bärenbach im Nationalpark, bzw. die Talzüge von Wese, Urff und Wälzebach in der Umgebung des Nationalparkes.

Wacholderheiden, bodensaure Magerrasen, stellenweise auch Kalk-Halbtrockenrasen, Feuchtwiesen und Sümpfe sowie Hecken, Waldränder und Säume sind typische, wertvolle und artenreiche Elemente der traditionellen Kulturlandschaft. Als herausragendes Beispiel für eine traditionelle Kulturlandschaft von hohem ökologischen und landschaftsästhetischem Wert ist die im Süden an den Nationalpark angrenzende Frankenauer Flur zu nennen.

Exkursionstipp:

Zur Pfingstnelkenblüte in den Nationalpark Kellerwald-EderseeRosa Blütenpracht auf nacktem Fels

Die langen, nektarreichen Blüten der Pfingstnelke werden von Tagfaltern bestäubt. Da die 10 bis 30 Zentimeter hohen Pflanzen selten einzeln, sondern meist in Gruppen wachsen, bilden sich kleine, lockere Polster. Die Pfingstnelke ist eine rein mitteleuropäische Pflanze. mehr Mehr

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