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Höhepunkte im Naturpark
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Der Edersee
Klarwasser und Watt inmitten alter Wälder
Der Edersee zählt zu den wichtigsten touristischen Anziehungspunkten der Nationalparkregion und ist eines der größten Staugewässer Europas. Sein Südufer bildet die Nordgrenze des Nationalparkes. Auch am Nordufer grenzt er über weite Bereiche direkt an urwüchsigen Laubwald. Solcherart eingezwängt zwischen herausragenden Naturschätzen hat er selbst aber auch noch einiges an ökologischen Raritäten und landschaftlichem Erlebnis anzubieten. Um die Wasserstände für die Schifffahrt auf Weser und Mittellandkanal zu regulieren und um Hochwässer abzuwehren, wurde die Talsperre 1914 erbaut. Drei Dörfer mussten umgesiedelt werden. Reste der alten Dorfstellen tauchen alljährlich noch bei Niedrigwasser aus den Fluten auf und erinnern an "längst versunkene Zeiten".
Das hessische Watt
Das regelmäßige spätsommerliche Trockenfallen weiter Teile des Seebodens bringt einmal im Jahr für ca. 2 Monate ein erstaunliches Naturphänomen hervor, das sich dann auch gleich auf einer Fläche von Hunderten von Hektaren abspielt.
In den Monaten August und September, wenn der überwiegende Teil des Edersees fast leergelaufen ist, entfaltet sich in kürzester Zeit ein Teppich aus kleinwüchsigen Pionierpflanzen auf dem trockengefallenen Schlamm des Seebodens. Einige Arten, die am Aufbau dieses bunten Teppichs im "Süßwasserwatt" wesentlichen Anteil haben, sind ursprünglich Bewohner der Hochwasserüberflutungszonen großer Mittelgebirgsflüsse. Als Beispiele seien hier Schlammling und Hirschsprung genannt. Sie bedecken zu Hundertausenden den Seeboden, der beim Austrocknen in geometrische Platten bricht.
Da solche natürlichen Überflutungsbereiche heute kaum noch bestehen, sind die speziell an diesen Lebensraum angepassten Arten sehr selten geworden, darunter auch Käferarten und zahlreiche Kleinstinsekten, die am Edersee noch in großen Beständen vorkommen.
Vogelparadies
Die Eder als Europäisches Vogelschutzgebiet
Krickente
Der Edersee ist aber auch ein Anziehungspunkt für zahlreiche Wasservögel, die in den ungestörten Uferzonen brüten, auf der Seefläche rasten oder überwintern.
Zu den Schwimmvogelarten, die alljährlich beobachtet werden, zählen Haubentaucher, Singschwan, Reiher-, Tafel- und Krickente, Zwergtaucher, Gänsesäger und viele andere seltene Arten. Aber auch Schwarzer und Roter Milan, Fischadler und Graureiher sind bei der Jagd über und am Wasser zu beobachten. Der Edersee ist deshalb als Vogelschutzgebiet von internationaler Bedeutung ausgewiesen worden.
Den See und seine faszinierende Umgebung zu ergründen, ist allemal ein lohnendes Unterfangen. Angesichts der Länge des Sees von über 23 Kilometern und den zahlreichen Naturschönheiten und Freizeitangeboten wird aber auch deutlich, dass Mann und Frau sich dabei die gebotene Zeit nehmen sollten.
Tipp: Es empfiehlt sich ein Besuch der Sperrmauer in Hemfurth. Von dort aus kann der Besucher am ruhigen Südufer Richtung Bringhausen wandern. Aber auch das Nordufer bietet schöne Landschaftseindrücke und einen Blick über den Nationalpark.
Hoher Kellerwald
Felsen, Moor und Bergwald auf dem Dach der Naturparkregion
Farndschungel
Der am südöstlichen Rand des Naturparkes gelegene, mächtig aufragende Quarzitrücken des Hohen Kellerwaldes erhebt sich mit dem Wüstegarten zum höchsten Berg im Naturpark.
Hier in 675 m Höhe steht auch der neue hölzerne Aussichtsturm, der einen atemberaubenden Blick über die umliegende Wald- und Kulturlandschaft gestattet, bei gutem Wetter bis nach Thüringen und in das Sauerland hinein. Der Turm steht genau auf der Grenze der beiden Naturpark-Landkreise Schwalm-Eder-Kreis und Kreis Waldeck-Frankenberg und gilt als dessen Wahrzeichen.
Am Wüstegarten sind noch Reste einer gewaltigen keltischen Festungsanlage zu erkennen, deren Entstehung allerdings weitgehend im Dunkel liegt.
Birkenwald am Hohen Kellerwald
Der Hohe Kellerwald birgt eine Reihe von ökologischen und landschaftlichen Besonderheiten, darunter eine Vielzahl herausragender Lebensraumkomplexe und Biotope in teilweise sehr ungewöhnlicher Ausprägung und Ausdehnung.
Sie hängen eng mit den besonderen geologischen und klimatischen Eigenheiten dieses Bergmassivs zusammen. Im Bereich des Gipfel-Grates finden sich zahlreiche alpin anmutende Felsformationen und ausgedehnte, überwiegend offene Quarzit-Blockhalden Hier wachsen eigentümliche aus Bergahorn, Eberesche, Rotbuche und Birke aufgebaute Urwaldreste, nordisch anmutende Birkenwälder und vom Sturm gezauste Fichten.
Die sehr artenarme Krautschicht zeichnet sich durch flechten- und moosreiche Felsheiden und Sauergrasfluren aus. Die oberen Lagen des Hohen Kellerwaldes waren bis vor hundert Jahren infolge von Übernutzung (Köhlerei, Waldweide) überwiegend waldfrei. Unterhalb des ca. 4 km langen Berggrates schließen sich ausgedehnte, endlos erscheinende Buchenwälder an. Hier finden sich überall eingestreut bizarr geformte Klippen, Blockfelder und Quellhorizonte.
Totenmoor im Hohen Kellerwald
Eine Besonderheit innerhalb der Nationalparkregion und weit darüber hinaus ist das in 500 m Höhe gelegene Totenmoor. Dieser erst vor wenigen Jahren wiederentdeckte Komplex aus Übergangsmooren und hochmoorartigen Bereichen stellt eines der letzten großen hessischen Wald-Hangmoore dar und trägt eine sehr eigentümliche Vegetation. Torfmoose, Wollgras- und Bergfarn-Fluren, Kleinseggenrasen und Erlen-Birkengebüsch bilden ein wundersames, kleinräumiges Mosaik.
Moore gehören zu den sensibelsten Lebensraumtypen. Ein Betreten der Moorbereiche ist mit dauerhaften Schädigungen der seltenen Pflanzengesell-schaften verbunden. Eine weitere ökologische Attraktion stellen die ungewöhnlich großflächigen Feuchtwälder am östlichen Hangfuß des Hohen Keller dar. Hier, wo die von Reinstwasserquellen gespeisten Hauptbäche des Berges in flache Talmulden auffächern, wachsen undurchdringliche, weitläufige Erlen- und Birkensumpfwälder.
TIPP: Sie erwandern den Hohen Kellerwald am günstigsten vom Densberger Waldparkplatz aus.
Der Bilstein
Rückzugsgebiet für Pflanzen und Tiere der Nacheiszeit
Pfingstnelken
Der Bilstein bei Bad Wildungen ist unter Naturkundlern als Reliktstandort bekannt, an dem Pflanzen aus früheren wärmeren Klimazeiträumen ein Refugium gefunden haben.
Im Jahre 1999 wurden der Bilstein und die umliegenden Wälder als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der markante Bergrücken des Bilsteins wird von vulkanischem Diabasgestein gebildet, er ragt mit schroffen Klippen nach Süden, wo er jeden Sonnenstrahl einfängt.
Die seltene Pfingstnelke behauptet am Bilstein eines ihrer größten Vorkommen in Hessen. Am Rande der unzugänglichen Klippen leitet wärmeliebendes Berberitzengebüsch zu urwüchsigen, artenreichen Traubeneichenwäldern und Perlgras-Buchenwäldern über.
Auch zoologisch ist das Gebiet äußerst reichhaltig. Vor allem die bunte Vielfalt an Schmetterlingen fällt auf. An warmen Tagen kann man mit etwas Glück die
Glattnatter beim Sonnen in den Felsen beobachten.
TiPP: Wer den Bilstein und seine Umgebung erwandern möchte, dem sei der Einstieg von Altwildungen aus in Richtung "Schwedenschanze" empfohlen.
Bergfreiheit
Vielfältige Waldgesellschaften im mittleren Urfftal
Kieselschiefer-Steinbruch bei Bergfreiheit
Die besonderen geologischen Verhältnisse des Kellerwaldes boten die Grundvoraussetzung für den Jahrhunderte währenden Bergbau in Bergfreiheit, von dem überall in der Landschaft noch deutliche Spuren zu erkennen sind.
Aber auch die für das mittlere Urfftal charakteristische große Vielfalt an besonderen Waldgesellschaften steht mit dem kellerwaldtypischen Wechsel der Gesteinsarten in Zusammenhang. Sehr viele der in der Nationalpark-Region vorkommenden Waldtypen sind hier in der direkten Umgebung von Bergfreiheit in enger Nachbarschaft zu finden. Auf Kalk, Diabas, Tonschiefer, Kieselschiefer und Quarzit haben sich hochgradig naturnahe Wälder mit reichem Arten- und Lebensrauminventar erhalten.
So finden sich edellaubholzreiche Schlucht- und Hangwälder, bodensaure Buchen- und Eichenwälder, elsbeerenreiche Orchideen-Buchenwälder, Hainbuchen- und Erlenwälder.
Auwald an der Urff
Besonders beeindruckend sind die alten, aus historischer Niederwaldwirtschaft hervorgegangenen, felsigen Buchen-Eichenwälder an der "Großen Leuchte".
Einen Blick in die Landbewirtschaftung vergangener Jahrhunderte bietet auch die Gegend um den "Spitzeberg". Hier haben sich alte Ackerterrassen mit einem Mosaik aus Hecken und kleinen Magerrasenflächen erhalten. Die heute beweideten Terrassen zeichnen sich durch ihren großen Blumen- und Schmetterlingsreichtum aus und bergen seltene Arten wie Männliches Knabenkraut und Heidenelke.
Die naturnahe Urff mit ihren weitgehend geschlossenen Ufergehölzen gliedert den Talraum und bietet Lebensraum für die selten gewordenen Klarwasserbewohner Groppe und Bachneunauge.
Der neu eingerichtete Bergfreiheiter kulturhistorisch-ökologische Lehrpfad führt aufs Angenehmste durch diese romantische Wald- und Talauenlandschaft und vermittelt anschaulich ökologische und kulturhistorische Zusammenhänge. Zur sinnvollen Abrundung des gewonnenen Landschaftseindruckes wird der Besuch des Bergfreiheiter Kupferbergwerkes empfohlen, wo fast täglich Führungen angeboten werden.
TIPP Ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen ist der Parkplatz am Bergfreiheiter Besucherbergwerk. Einkehr ist möglich in Bergfreiheit im Gasthaus zum Urfftal und in der Hardtmühle.
Sondertal und Talgraben
Urwald, Klamm und Wasserfälle bei Odershausen
Sondertal-Talgraben
Das enge Talsystem von Kaltebornsbach und Dörnbach, die sich am westlichen Ortsrand von Odershausen zum Sonderbach vereinigen, stellt in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit dar. Es wurde 1986 unter Naturschutz gestellt.
Sowohl der von Westen in den Sonderbach mündende "Talgraben" als auch der Sonderbach selbst haben sich tief in den weichen Tonschiefer eingeschnitten und bilden ein schmales Kerbtal. Derartige Reliefformen, die an eine alpine Klamm erinnern, sind in unserer Landschaft kaum anzutreffen und stellen eine geologische Seltenheit dar. Durch die extreme Enge des Talsystems wird der Abfluss der nächtlichen Kaltluft aus den angrenzenden Hängen stark verzögert, so dass ein kühl-feuchtes Lokalklima entsteht. Dieses übt einen prägenden Einfluss auf die Tier- und Pflanzenwelt aus. Besonders deutlich wird der Klima-Einfluss am Vorkommen des sehr seltenen Gelappten Schildfarnes, welcher in Nordhessen nur an drei Stellen vorkommt. Eine imposante Naturerscheinung sind die Wasserfälle unterhalb von Odershausen, die eingebettet in üppig grüne, urtümliche Schluchtwälder über mehrere Meter herabstürzen.
Das Naturschutzgebiet "Sondertal-Talgraben" umfasst neben den beiden Bachläufen auch die angrenzenden Hangwälder. Die Steilheit dieser Hänge lässt eine geregelte Forstwirtschaft nicht zu und hat sich deshalb deutlich in Richtung eines urwaldartigen Zustandes entwickelt.
Unterschiedliche Buchenwaldgesellschaften überwiegen in den talbegleitenden Hang- und Kuppenlagen. Der hohe ökologische Wert dieser Waldgesellschaften wird im Auftreten von Arten deutlich, die auf urwaldartige Waldentwicklungsstadien angewiesen sind.
Beispiele hierfür sind Grauschnäpper, Klein- und Schwarzspecht. Seltene Pflanzenarten im Bereich der Wälder sind Kleines Wintergrün und Sprossender Bärlapp. Auch hoch spezialisierte Baumpilze treten in dieser Waldgesellschaft auffällig in Erscheinung.
Dort wo das Tal breiter wird, wachsen Erlen-Sumpfwälder, in denen im Frühling Märzenbecher und Schlüsselblume blühen.
TIPP: Der Wanderpfad zum Naturschutzgebiet "Sonderbach und Talgraben" beginnt am Gasthof "Helenetal" in der Ortsmitte von Bad Wildungen-Odershausen (dort findet sich eine Informationstafel zum Gebiet).
Die historische Kulturlandschaft von Frankenau
Das Städtchen Frankenau grenzt an die südliche Spitze des Nationalparkes und ist einer der Haupteingangsbereiche in den Park.
Der kleinräumige Wechsel von Bachtälern, Hügeln und Hochebenen mit einer noch überwiegend extensiven, bäuerlichen Landbewirtschaftung ist die Basis für eine vielfältige Arten- und Lebensraumausstattung.
In Frankenau existiert immer noch das in Folge von Realerbteilung entstandene kleinräumige Nutzungsmosaik, eine der Grundvoraussetzungen für den erstaunlichen Artenreichtum dieser Kulturlandschaft.
Im Rahmen der Durchführung eines umfangreichen Landschaftspflegeprojektes (Modellprojekt "Naturschutz und Landschaftspflege in Frankenau") konnte der NABU die Bewirtschaftung in den ökologisch besonders wertvollen oder von der Nutzungsaufgabe bedrohten Landschaftsteilen bisher sichern werden.
Die Frankenauer Flur ist ein herausragendes Beispiel für die unverzichtbare Rolle der extensiven Landbewirtschaftung im aktiven Naturschutz. Und so kann der Erholung suchende Mensch hier auch heute noch blühende Orchideenwiesen, verschwenderisch bunte Magerrasen, erhabene Wacholder-Triftheiden und verschwiegene Bachtälchen durchwandern.
Heidenelke
Ein Sinnbild der Frankenauer Flur ist die Heidenelke, die in leuchtendem Rosa-Violett Wegraine und Magerweiden von Juni bis Oktober schmückt. Sie steht für die mageren Bodenverhältnisse und das raue Klima, die in weiten Bereichen dieser Rodungsinsel nur die Grünlandbewirtschaftung ermöglichen.
Das Breitblättrige und das Gefleckte Knabenkraut, zwei seltene Feuchtwiesenorchideen, blühen im Mai zu Tausenden im Weidengrund und zusammen mit Wollgras auf den Aspenwiesen.
Und bei einem stillen Gang durch die heimlichen Täler von Lengelbach, Lorfe oder Wese begegnet man mit Glück dem Schwarzstorch oder der Wasseramsel.
Diese beeindruckende Vielfalt an Lebensräumen in der Frankenauer Flur, mit all ihren Tier- und Pflanzenarten stellt ein wertvolles Natur- und Kulturerbe dar. Eine Entdeckungsreise durch diese reizvolle Landschaft bedeutet Erlebnis und Entspannung zugleich.
TIPP: Vom Natur-Informationszentrum "Kellerwalduhr" am Feriendorf Frankenau aus kann der interessierte Wanderer seinen Ausflug beginnen.
Heidekopf und Orthberg bei Oberurff
Nordwestlich von der beeindruckenden Ritterburg "Löwenstein" (mit begehbarem Turm) bei Bad Zwesten erhebt sich der Quarzitrücken des Orthberges. Dieser Bergrücken ist die nördliche Fortsetzung des Hohen Kellerwaldes, durch diesen getrennt vom wildromantischen mittleren Urfftal. Bei guter Fernsicht geht der Blick weit über die Schwalmpforte und die Schwalmaue.
Hier lohnt sich ein Gang durch den schweigenden, lichten Buchenmischwald. Der Wald ist hier wegen seiner breiten Sonnenseite und der Kuppenlage sehr hell und freundlich: Kiefern, Lärchen und Eichen begleiten die herrschende Buche in lockerer Mischung. Die Attraktion innerhalb des bewaldeten Höhenzuges sind die zahlreichen, bizarren und teilweise mächtigen Klippen aus Quarzit.
Besonders beeindruckend ist der Orthberg. Hier haben sich eiszeitliche Felsformationen erhalten, gesäumt von lindenreichem Eichen-Hainbuchenwald. Der Wald entlang des felsigen Grates wirkt urwaldartig mit seinen vielen abgestorbenen Baumriesen.
Im Frühling ist der Waldboden unter Eschen, Elsbeeren und Buchen dicht bedeckt mit Teppichen aus Zwiebelzahnwurz und Buschwindröschen, begleitet von Frühblühern wie Einbeere, Lärchensporn und Salomonsiegel. Entlang eines Kalkbandes im Westen des Gebietes blüht im März der seltene Seidelbast und etwas später die bunte Frühlings-Blatterbse unter mächtigen, eleganten Buchen.
TIPP: Besuchen sie die Ruine Löwenstein in Oberurff-Schiffelborn (direkt an der B3 gelegen), von dort aus führen mehrere Wanderwege in den "Orthberg".
Urwaldreste am Nordufer des Edersees
Ein europäisches Naturerbe
Leerer Edersee im Herbst 2003
Zwischen Herzhausen und Waldeck windet sich die Eder in weiten Flußschleifen durch ein ausgeprägtes Kerbtal.
Jahrmillionen hat das Wasser hier Gestein abgetragen und steile, felsige Hänge mit Schluchten, Felsrippen und Felsköpfen geformt. Das Ederbergland liegt im Regenschatten des Waldecker Uplandes, so dass Niederschläge gering ausfallen. Die natürlichen Bedingungen an den felsigen Steilhängen sind für Tiere und Pflanzen daher besonders extrem.
Die nach Süden geneigten offenen Hänge werden von der Sonne aufgeheizt und trocknen aus. Sie kühlen im Winter auch genauso deutlich ab, so dass sehr hohe Temperaturschwankungen auftreten. Selbst weniger anspruchsvolle Baumarten, die Trockenheit besser ertragen, können hier nicht überall gedeihen.
Ein immerwährender Pionierzustand herrscht auf den ständig rutschenden Steinschuttböden der steilsten Hänge. Nur dort, wo die Bewegung gestoppt wird, können sich schließlich Sträucher und Bäume einfinden und den Hang weiter festigen.
Das zu bestaunende Resultat ist ein Mosaik verschiedener Gesellschaften, die gemeinsam einen seltenen Trockenwaldkomplex bilden. Die Eiche erweist sich hier als am zähesten und bildet lichte Buschwälder an den trockensten, flachgründigen Südhängen. Uralte, bis über tausendjährige krüppelwüchsige Eichengestalten mit natürlichen Stockausschlägen bestimmen das bizarre Waldbild.
An der Kahlen Hardt kommt der Eichenwald in einer wärmeliebenden Ausbildung mit seltenen Arten wie Graslilie, Rotem Waldvögelein, Felsen-Fetthenne und Schwalbenwurz in der Krautschicht vor. Die buschförmige Baumschicht wird von der dürrefesten Mehlbeere und ihrer seltenen Schwester, der Elsbeere, bereichert. In nährstoffreicheren, zeitweilig feuchten aber sommerlich ebenfalls stark austrocknenden Bereichen wächst ein Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald mit wärmeliebenden Arten wie Schlüsselblume und Pfirsichblättrige Glockenblume.
Das Mosaik der Sonderwaldgesellschaften beinhaltet auch edellaubholzreiche Blockwälder an bewegten Steilhängen. Diese in Schluchten und an schattigen Hängen auf durchsickertem Gesteinsschutt fußenden Linden-Ulmen-Ahorn-Wälder bilden üppige Bestände mit reicher Kraut-und Strauchschicht. In den Spalten und Klüften besonnter Felsen hat als Relikt der nacheiszeitlichen Warmzeit die sehr seltene Pfingstnelke - die "Mutter aller Gartennelken" - überdauert. Sie steht auf der europäischen Rote Liste und gilt als Wahrzeichen der Nationalparkregion.
Die beschriebenen Besonderheiten der nördlichen Ederseesteilhänge wurden sanft erschlossen, um dem interessierten Erholungssuchenden einen Blick in diese außergewöhnlichen Lebensräume und Naturphänomene zu ermöglichen.
So ist ein attraktiver Lehrpfad zwischen Herzhausen und Waldeck entstanden. Die Wege und Pfade führen überwiegend durch Naturschutzgebiete und sind nicht immer ausgebaut oder gesichert. Sie erfordern vom Wanderer erhöhte Achtsamkeit.
TIPP: Der reizvolle "Knorreichenstieg" bietet auf naturbelassenen Pfaden einen unvergesslichen Einblick in diese echten Urwälder. Er ist von der "Aseler Bucht" bei Vöhl-Asel aus gut erreichbar.
Der Halloh bei Albertshausen
Reste alter Hutewälder
Die in Resten erhaltenen ehemaligen Hutewälder gehören zu den beeindruckendsten Beispielen historischer Landnutzungsformen im Kellerwald. Sie haben sich in ihrer Grundstruktur mehr oder weniger unverändert über 100 Jahre erhalten. Allerdings sind heute viele Hutewaldreste in Wald- und Gehölzbestände eingewachsen oder mit 250 bis maximal 400 Jahren überaltert und in der Phase des Zusammenbrechens.
Hutewälder wurden für das weidende Vieh, meist Schweine regelrecht "angelegt". Die lichten, hochproduktiven Eichen- und Buchenbestände lieferten reichlich Eicheln und Bucheckern und damit wertvolles Fett- und Eiweiß für die Viehmast im Herbst.
Wälder, in denen das Vieh gehütet wurde, konnten sich nicht mehr verjüngen. Sie dürften arm an Unterwuchs gewesen sein. Das Ergebnis waren parkartige Baumbestände gleichen Alters mit sehr charakteristischer Wuchsform. Die Bäume wurden in großem Abstand gepflanzt, so dass jeder einzelne Baum mangels Konkurrenz durch Nachbarbäume bereits in geringer Höhe eine großräumige Krone entwickeln konnte. Oft wurden die Äste der Bäume zurückgeschnitten, um die Krone weiter zu verdichten und damit die Produktion von Eicheln und Bucheckern noch zu steigern.
Der "Halloh" ist einer der schönsten und größten Buchen-Hutewälder unter den zahlreichen, meist auf wenige Einzelbäume geschrumpften Hutebaumbeständen des Kellerwaldes. Auf einer Hügelkuppe in der Feldflur westlich von Albertshausen gelegen, ist er zu jeder Jahreszeit einen Erkundungsgang wert.
Dunkel ist es unter den tief ausgebreiteten Fächern der Randbäume, man muss regelrecht hineinschlüpfen in diesen alten Wald, mit einer begrüßenden Verbeugung. Im je nach Jahreszeit grün oder rot gefärbten, gedämpften Zwielicht stehen sie: dicke, skurril geformte, nur 3 bis 5 Meter hohe, aber trotzdem mächtige, silbergraue Gestalten. Sie stehen in Gruppen beisammen, so als würden sie sich unterhalten.
Zahllose Baumhöhlen und Spalten, seltsam verdrehte und verwachsene Äste, viele davon schon abgestorben, zeugen vom hohen Alter der Buchen. In der feuchten Luft unter dem schattigen Blätterdach können grüne Moosteppiche und Flechten an Stammfüßen, auf Ästen und Totholz wachsen. Insgesamt eine märchenhafte, vielleicht sogar manchmal etwas unheimliche Stimmung vermittelt dieser stille Wald. Tagsüber wirkt er unbewohnt, doch die zahllosen kleinen bis geradezu riesigen Baumhöhlen bieten Versteck und Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Kleinsäuger wie Siebenschläfer und Haselmaus, aber auch Fledermäuse Steinmarder, Waschbär und Wildkatze nutzen die willkommenen Quartiere und die Zurückgezogenheit des Ortes. Mit Glück kann man in der späten Dämmerung das Ausfliegen eines Waldkauzes beobachten. Die alten Hutewälder haben eine wichtige Funktion als Refugium für viele selten gewordene Arten, sind Zeitzeuge und Ort der Entspannung für den erholungssuchenden Menschen. Weitere beeindruckende Hutewälder befinden sich östlich von Braunau sowie in den Wäldern zwischen Gellershausen und Albertshausen ("Paradies").
Da die Neuanlage von Hutewäldern nicht mehr erfolgt, wird in nicht allzuferner Zeit die letzte Hutebuche wieder zu Waldboden geworden sein. Lernen Sie diese ganz eigentümliche Art von Wald kennen, solange es noch möglich ist!
TIPP: Gut erreichbar vom südlich von Bad Wildungen-Albertshausen gelegenen Waldrand in 10-minütigem Fußmarsch
Das Lengelbach-Tal
Naturerlebnis fernab der Straßen
Eine der schönsten Wanderrouten in der Nationalparkregion bietet das westlich von Frankenau verlaufende Lengelbach-Tal. Frei von Verkehrsstraßen verläuft das malerische gewundene Tal auf über fünf Kilometer Länge durch wunderschöne Waldlandschaft vom Ortsteil Ellershausen bis zur Mündung in die Eder unterhalb der Burg Hessenstein. Wegen der fünf im Talgrund erhaltenen alten Mühlen wird das Lengelbachtal im Volksmund auch "Mühlental" genannt. Die Bekanntheit dieses in großer Abgeschiedenheit liegenden Talzuges gründet sich neben dieser kulturhistorischen Besonderheit aber im Wesentlichen auf die Vielzahl vorhandener Naturschätze. Der Talgrund wird von extensiv genutzten Wiesen und Weiden, von Bachauwäldern, Hochstaudenfluren und Quellsümpfen eingenommen, so dass sich dem Wanderer hinter jeder Biegung ein anderes Bild bietet.
Der Bach selbst zeichnet sich durch seinen großen Reichtum an Fischarten aus (insgesamt 13 Arten wurden nachgewiesen), auch selten gewordene Arten wie Hasel, Groppe, Elritze und Bachneunauge kommen hier noch vor.
Von hoher ökologischer Bedeutung sind die stellenweise großflächig ausgebildeten, urwaldartigen Waldgesellschaften, besonders an den nördlichen Talhängen. Hier wachsen auf trockenwarmen Blockhalden und Felsformationen flechtenreiche Eichen-Trockenwälder mit urwüchsigen Baumgestalten.
Auf den wechsel-feuchten Unterhängen wachsen Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder mit reicher Krautschicht. Buchenmischwälder haben die mittleren Standorte besetzt und spenden an heißen Tagen mit ihren dichten Schirmen angenehmen Schatten. Doch damit nicht genug: Feuchte Eschen-Bergahornwälder in steilen Schluchten verzaubern und beeindrucken den Beobachter durch ihre grüne Üppigkeit. Dort blüht auf kalkhaltigem Grund im Frühsommer an wenigen Stellen die rare Türkenbund-Lilie.
Im oberen Talabschnitt, im Bereich von Lengelmühle und Lengelhof, wachsen auf flachgründigen, steilen Hangwiesen artenreiche Magerrasen, die seit einigen Jahren wieder von Ziegen abgeweidet werden - wie in alten Zeiten. Rundblättrige Glockenblume, Moschusmalve, Thymian und Wilder Oregano verzaubern Auge und Nase des Erholungssuchenden und ergeben am Ende einen guten Ziegenkäse.
Die ökologische und landschaftliche Vielfalt des Lengelbachtales kann ungestört vom heute allgegenwärtigen Verkehrslärm erkundet und genossen werden - ein in der heutigen Zeit recht selten gewordenes Erlebnis.
Tipp: Dem Wanderer erschließt sich das Lengelbach-Tal am besten entweder von Ederbringhausen aus talaufwärts gehend (an der B 252 zwischen Korbach und Frankenberg gelegen) oder von dem Frankenauer Ortsteil Ellershausen talabwärts führend.

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