Hessen.NABU.de Naturschutz Nationalpark Kellerwald Landschaftserlebnisse im Nationalpark

Höhepunkte im Nationalpark

Der Ruhlauber

Hallenwald im Wandel

Grüner Ruhlauber

Auf dem Weg von der Quernstkirche nach Norden führt der uralte Pflasterweg zunächst durch gleichförmige, vegetationsarme Fichtenbestände, ein Andenken an die vergangene Ära der Nadelholzanpflanzungen.

Doch schon nach 500 Metern Wegstrecke wandelt sich das Bild drastisch: Plötzlich, hinter einer Wegbiegung, stößt der Wanderer auf eine über 30 Meter hohe Wand aus Buchengestalten: je nach Jahreszeit grün, rot oder grau gefärbt - das Naturschutzgebiet Ruhlauber. Seit 1989, als dieser Wald zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, schweigt hier die Motorsäge. Es ist beileibe kein Urwald, was der Wanderer hier sieht, aber der Ruhlauber zeigt in beeindruckender Weise, wie schnell sich ein Wald doch zu verändern beginnt, wenn in ihm keine Nutzung mehr stattfindet. Vor 12 Jahren noch ein strukturarmer, einschichtiger Hallenwald, weitgehend frei von Unterwuchs und Totholz, hat hier eine deutliche Entwicklung in Richtung Naturwald eingesetzt. Eine bis zu 6 Meter aufgeschossene, zweite Baumschicht verhindert den Blick in die Tiefen dieses über 50 Hektar großen Waldes und gibt der Szene etwas Geheimnisvolles.

Totholz im NSG Ruhlauber

Darüber breiten 180 bis 200 Jahre alte Buchen ihre gewaltigen Kronen aus. Sie stehen am Anfang der Alterungsphase. Natürlicherweise werden Buchen mindestens 250 bis 350 Jahre alt. Da Bäume im Wirtschaftswald jedoch im Alter von 140 Jahren geerntet werden, sind natürlich alternde Bestände in unseren Forsten nur noch sehr selten zu finden. Sturm und Baumpilze haben im Ruhlauber für liegendes und stehendes Totholz gesorgt, eine der wichtigsten Lebensraumstrukturen des Naturwaldes. Die abgebrochenen dicken Buchen bilden jetzt mit Zunderschwamm besetzte Totholzständer, die Kronen vermodern am Boden und überziehen sich langsam mit Moos.

Die Menge des Totholzes in unterschiedlichen Zersetzungsgraden steigt langsam aber stetig an. Dieses Angebot an neuem Lebensraum und neuer Lebensqualität wird von den Bewohnern des Waldes begrüßt: Schwarzspechte haben fleißig die ersten Höhlen gehauen, Grau- und Buntspecht sondieren totes Kronenholz, Pilze verrichten ihr wichtiges Werk der Holzzersetzung. Hirsch, Reh und Wildschwein können sich neuerdings hier sicher fühlen, denn der dichte Buchenjungwuchs gibt ihnen Schutz und Ruhe. Am nördlichen Rand des Ruhlauber, direkt am Weg und unter altem Bergahorn, befindet sich die Wolfsgrube, eine Wolfsfalle aus dem 18. Jahrhundert. Sie erinnert an die Zeiten, in denen die Menschen den Kräften der Natur noch unmittelbarer ausgesetzt waren.

Tipp: Vom Feriendorf Frankenau aus (Informationszentrum Kellerwald-Uhr) beträgt die Wanderstrecke zum Ruhlauber ca. 4 km. Der Weg führt über die "Quernstkirche" und ist sehr leicht zu gehen.

Das Fahrentriesch

Wüstung im Hochgewälde

Der von Altenlotheim aus gut zu erreichende Fahrentriesch ist eine alte Rodungsinsel (alter Name vermutlich "Eschebruch") im Westen des Nationalparks. Nach der Rodung des Waldes Anfang des 14. Jahrhunderts wurden hier Siedlungen errichtet und die Bauern versuchten dem armen Waldboden etwas Getreide und Grünfutter abzuringen. Doch die Erträge waren zu gering und die Abgaben an den Fürsten zu hoch, so dass die Siedlung "Eschebruch" schon nach wenigen Jahren wieder wüst wurde. Die Häuser wurden abgetragen, die Vegetation deckte die ehemaligen Wohnplätze zu und die Äcker verwilderten.

Doch der Wald konnte sich das verlorene Terrain nicht wieder zurückerobern, denn für die Bauern der Altsiedlungen im Tal war die verlassene Feldmark willkommenes Weideland für ihre Schaf- und Rinderherden. Diese ließen die natürliche Verjüngung von Eiche und Buche nicht hochkommen. So entstanden die ausgedehnten Gras- und Heideflächen des Fahrentriesch.

Arnika

Der Fahrentriesch ist der größte der zahlreichen Triescher (Huteweiden) im Nationalpark und der einzige, auf dem heute ab Spätsommer wieder Schafe weiden. Die Schafbeweidung wurde hier ganz bewusst wieder eingeführt, um eine alte Kulturlandschaft mit selten gewordenen Pflanzenarten zu erhalten - zum Beispiel die wunderschöne Arnika, früher im Kellerwald weit verbreitet, jetzt zurückgegangen auf wenige Einzelvorkommen.

Wald-Läusekraut und Borstgras gehören ebenfalls zu den selten gewordenen Charakterpflanzen nährstoffarmer, saurer Magerrasen und Heiden, die sich unter dem Einfluss der Jahrhunderte währenden Beweidung ausgebildet haben. Ein weiteres Relikt der alten Huteweide findet sich in Gestalt einiger mächtiger Hutebuchen am Rand des Fahrentriesch. Besonders am frühen Morgen und in der Abenddämmerung bietet der Fahrentriesch einen phantastischen Landschaftseindruck mit seinen sanft gewölbten Heiden und Grasfluren und den tiefbeasteten dunklen Einzelfichten, die der Landschaft ein nordisches Gepräge verleihen.

Die Wiesen im Bereich der anderen verlassenen Siedlungen wurden trotz der weiten Entfernung zu den Dörfern weiter gepflegt. Überwiegend werden sie auch heute noch als Mähwiesen genutzt. Teilweise wurden sie aber auch im Dienst der fürstlichen Jagd mit Kastanien und Obstbäumen bepflanzt, um den Speisezettel des Wildes zu bereichern.

TIPP: Das Fahrentriesch ist am besten über Altenlotheim (2 km Wanderstrecke) oder Schmittlotheim (mit Elsebach-Waldlehrpfad ca. 5km ) zu erreichen.

Bloßenberg

Pfingstnelkenfluren, Blockhalden und Schweinewald

Bloßenberg

Blick von der Hünselburg am Edersee-Nordufer über den Bloßenberg auf das nebelerfüllte Banfetal

Der Bloßenberg ist einer der Schätze des Nationalparkes. Von Bringhausen aus gut zu erreichen, zeigt sich dieser Berg mit vielen Gesichtern. Er bildet zusammen mit der verzweigten Mündung der Banfe, dem direkt angrenzenden Edersee und dem Urwald des Arensberges einen einzigartigen Komplex markanter Landschaftsteile.

Mittelspecht

Mittelspecht

Der Nordhang des Bloßenberg ist von weitläufigen Blockhalden geprägt, die direkt in den Edersee zu stürzen scheinen. Dort wachsen, in der Vergangenheit nur selten durch Nutzung gestört, uralte Krüppelwälder aus Eiche und Buche, durchsetzt mit einzelnen Besenginster-Gebüschen, Felsen und Kiefern.

Eichenwald auf Bloßenberg

Eichenwald auf dem Bloßenberg

Eine sommerliche Wanderung entlang der Felsfluren, den Edersee direkt zu Füßen und die Urwaldhänge von Arensberg und Nordufer im Blick, gehört wohl zu den beeindruckendsten Erlebnissen im Nationalpark Kellerwald. Doch damit nicht genug: Im östlichen und zentralen Teil des Bloßenberges findet sich ein weitläufiger, über 200 Jahre alter Eichenwald, der im Bereich der Kuppe undurchdringlich, geheimnisvoll und urwaldartig erscheint. Im Osten stehen die Eichen in Reih´ und Glied, viele mit dürren Ästen und Kronen, manche schon abgestorben. Sie wurden in fürstlicher Zeit gepflanzt, um den Speisezettel der Wildschweine zu bereichern.

Die Wälder des Bloßenberg weisen schon deutliche Merkmale des ungenutzten Naturwaldes auf. Mit der Ausweisung des Nationalparkes kann diese Entwicklung ungestört weiterlaufen.

Tipp: Der Bloßenberg ist relativ einfach entweder von Asel-Süd aus über den Ederufer-Weg zu erreichen oder von Edertal-Bringhausen aus über das "Eiserne Tor"

Arensberg

Tafelsilber des Nationalparkes

Wildkatze

Vieles deutet darauf hin, daß auf dem Arensberg die Wildkatze zuhause ist.

Der Arensberg wurde bereits 1989 mit der Ausweisung als Naturschutzgebiet der forstlichen Nutzung entzogen. Er bildet heute zusammen mit dem Osthang des Ringelsberges und dem Talzug des Bärenbaches die wichtigste Kernzone im Nationalpark.

Auf seinem ausgedehnten Hochplateau wachsen die ältesten großflächigen Buchenwälder des Nationalparkes, an seinem nördlichen Steilhang, der "Wooghölle", die direkt in den Edersee abstürzt, findet sich ein weit über 10 Hektar großer Urwald. Die Bezeichnung Urwald trifft nur noch auf sehr wenige und kleinflächige Wälder Europas zu, aber im Fall der "Wooghölle" trifft sie den Nagel auf den Kopf. Die bis ins frühe 18. Jahrhundert zurückreichende forstliche Chronik verzeichnet seit ihrem Bestehen keine Nutzung für diesen Steilhangbereich. Der ursprüngliche und wilde Ausdruck dieses Waldes ist einzigartig und schlägt den Wanderer auf seinem Weg am Ederseeufer in seinen Bann.

Altbuchenbestände Arensberg-Plateau

Altbuchenbestände des Ahrensberg-Plateaus im Frühnebel

Die im Nationalpark überwiegend nährstoffarmen Böden sind hier durch lokalen Zechsteineinfluss nährstoffreicher. Dadurch konnte sich hier ein artenreicher Edellaubbaum-Wald entwickeln, in dem anspruchsvolle Baumarten wie Esche, Linde, Bergahorn und Bergulme eine prägende Rolle spielen. Dickes stehendes und liegendes Totholz, eine äußerst vielfältige Pilzflora, üppiger Unterwuchs, bizarre Felsen und Bäume in allen Entwicklungsstufen, von Jungwuchs bis zu mächtigen Baumriesen, lassen erahnen, wie die Wälder vor der Beeinflussung durch den Menschen wohl ausgesehen haben.

Der Urwaldhang der "Wooghölle" steigt nach Süden bis zum Plateau des Arensberges an. Dort beherrschen beeindruckende, weit über 200 Jahre alte, kurzschäftige Buchen über weite Flächen das Bild, denen sich immer wieder uralte mächtige Eichen beigesellen. Hier in der ungestörten Plateaulage des Berges hält sich im dichten Unterwuchs der alten Buchen besonders häufig der Rothirsch auf.

Die Kernzone des Nationalparkes mit den Teilgebieten Arensberg, Bärenbach und Ringelsberg soll ausschließlich Tieren und Pflanzen vorbehalten bleiben, Wanderwege führen nur bis an die Außengrenzen dieses verschwiegenen Waldkomplexes. Schon heute brütet der Schwarzstorch im Bärenbach-Tal, die Wildkatze wird dort vermutet und auch anderen seltenen und störungsempfindlichen Tieren soll hier künftig wieder ein ungestörtes Leben ermöglicht werden.

Tipp: Der Arensberg selbst wird in seiner Funktion als zukünftige Kern- und Ruhezone im Nationalpark nicht für Wanderer zugänglich gemacht. Vom "Fahrentriesch" bei Altenlotheim aus jedoch ist ein randliches Erleben des Arensberges möglich.

Der Daudenberg

Vielfalt der Waldgesellschaften

Blockhalde Daudenberg

Die Blockhalde ist ein Zeitfenster in die waldfreie Nacheiszeit

Wer auf einem Rundweg am Oberhang des Daudenberges wandert, kann auf wenigen Kilometern Strecke eine ungewöhnliche Vielzahl verschiedener Waldtypen erleben. Abhängig von Gestein, Wasserhaushalt und Exposition hat sich auf dem Daudenberg ein wahres Mosaik aus unterschiedlicher Waldbilder entwickelt. In den trockenen bis wechseltrockenen Bereichen des Nordhanges wächst ein totholzreicher Hainbuchen-Mehlbeeren-Eichenwald, wie er so nur selten zu sehen ist.

Die frischeren Hangabschnitte tragen Buchen-Eichen-Mischwald, dem ein wechselnder Anteil der hier standortfremden Kiefer beigemischt ist. Die Kargheit des Standortes zwingt die Bäume zu krüppeligem, gedrungenem Wuchs. Mit weit ausstreichenden Wurzeln suchen sie nach den spärlichen Nährstoffen.

Am Nordwesthang findet sich in einer feuchten, nährstoffreichen Rinne ein Spitzahorn-Winterlindenwald, der im zeitigen Frühjahr während der Ahornblüte seine größte Üppigkeit zeigt. Darüber wächst ein Eschen-Ulmen-Schatthangwald, der von zwei Quellaustritten gut mit Wasser versorgt wird. Im Zuge des Ulmensterbens, das in den beiden letzten Jahrzehnten fast ganz Mitteleuropa ergriffen hat, sind auch hier fast alle Bergulmen abgestorben. Der Ulmensplintkäfer, der einen aggressiven Pilz überträgt, hat nur schlanke, entrindete Baumschäfte hinterlassen, wie hier und da noch innerhalb der Eschenbestände zu sehen.

Waldmeerblick Kellerwald

Blick von Walters Ruh (Daudenberg) auf das Buchenmeer im Nationalpark Kellerwald

Der steinige Gipfel des Daudenberges trägt einen urwaldähnlichen Edellaubholzwald mit Esche, Linde, Ulme und Eiche. Auch hier sind die Ulmen leider in den letzten Jahren abgestorben. Der Boden scheint hier oben auf dem Gipfel nährstoffreicher zu sein als am übrigen Berg. Dies zeigt sich in dem hohen Anteil anspruchsvoller Baumarten, aber auch die Gegenwart von Pflanzen wie Aufrechte Schlüsselblume und Lerchensporn verrät die besseren Standortbedingungen.

Felsformation Daudenberg

Bizarre Felsformation bei "Walthers Ruh" am Daudenberg

Am beeindruckendsten für den Wanderer ist jedoch die über einen Pfad zu erreichende, waldfreie Blockhalde am Westhang des Daudenberg. Die beeindruckende Grauwacken-Blockhalde stammt aus der letzten Eiszeit und ist einer der wenigen Stellen, die der Wald seit dem Ende der letzten Eiszeit vor über 8000 Jahren nicht zurückerobern konnte. Die mächtige Blockhalde endet nach oben in bizarren Felsformationen, auf denen krüppelige Kiefern, Eichen und sogar ein Wacholder wachsen.

Und noch eine Besonderheit hat der Daudenberg aufzuweisen: Am mittleren Westhang ragen zahlreiche Felsklippen aus dem Boden, auch hier findet sich die für den Nationalpark so typische, aber sonst europaweit sehr seltene Pfingstnelke.

TIPP: Der Daudenberg ist am besten von Edertal-Bringhausen aus zu erreichen. Vom "Eisernen Tor" oberhalb von Bringhausen aus ist ein Rundweg um den Daudenberg in 3 Stunden zu bewältigen. Für echte "Waldläufer" ist es aber auch möglich, über den Daudenberg eine ausgedehnte Tour in das Banfetal oder gar die Durchquerung des Nationalparkes nach Frankenau zu beginnen.

Quernst

Kulturhistorischer Brennpunkt im Nationalpark

Quernstkirche

Holztürmchen an der Quernstkirche

Die Quernst, gut zu erreichen vom Nationalpark-Informationszentrum "Kellerwalduhr" in Frankenau, ist ein geschichtsträchtiger Platz. Die Quernst gilt als eine der ältesten Kirchengründungen und stand in engem Zusammenhang mit der Christianisierung des Kellerwaldraumes. Die Quernstkirche, von der heute nur noch unscheinbare Mauerreste zeugen, wurde vermutlich im 8. Jahrhundert errichtet. Heute weist eine Aussichtsplattform mit angedeutetem Glockenturm auf den ehemaligen Kirchenstandort hin.

Talgang zum Quernst

Talgang von Frebershausen hinauf zur Quernst

Noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden auf dem dortigen Kirchhof die Toten aus den umliegenden Dörfern begraben. Der Quernstgrund war sehr wahrscheinlich schon vorher ein viel besuchter Markt- und Wallfahrtsort. Nicht weit entfernt befindet sich eine uralte, aufwändig gebaute Pflasterstraße, die ein Stück entlang am Westrand des Nationalparks in Richtung der Ederdörfer führt.

Wildverbiss

Wildverbiss

Die flache Kuppenlage von Quernst und Pfaffenwald stellt im Rahmen der zukünftigen ökologischen Entwicklung des Nationalparks gewissermaßen eine Herausforderung dar. Der Bereich um die Quernstkirche (Quernst und Pfaffenwald) wurde Anfang des 20 Jahrhunderts flächendeckend mit Fichten aufgeforstet. Diese wurden durch eine Sturmkatastrophe im Jahre 1991 in hiebreifem Alter fast vollständig vernichtet. Nach der Räumung der Windwurfflächen wurden die Freiflächen leider erneut mit Nadelbäumen aufgeforstet, ein großer Teil der Fläche vergraste und verhinderte zusammen mit starkem Wildverbiss die Rückkehr des Laubwaldes. Das Entwicklungsziel für diesen Winkel des Nationalparks ist die Umwandlung der ausgedehnten Fichtenforste in Buchenwald. Aufgrund der Großflächigkeit der Aufforstungen sind hier erhebliche Maßnahmen erforderlich, die sich viele Jahre hinziehen werden.

Bei allen künftigen Entwicklungsmaßnahmen im Nationalpark Kellerwald gilt die Berücksichtigung und Einbeziehung natürlicher Entwicklungsvorgänge als Grundregel. Die deutliche Absenkung der Wilddichte im Nationalpark ist eine der dringlichsten Maßnahmen. Ein zu hoher Wildbestand schränkt die natürliche Entwicklungsdynamik der Wälder ein oder macht sie sogar unmöglich.

Tipp: Die Quernst ist vom Feriendorf bei Frankenau über den südwestlichen Haupteingang des Nationalparkes zu erreichen. Der Gang zur Quernstkirche ist eine der kürzesten Wanderstrecken im Nationalpark, sie führt bis an die südliche Außengrenze des großartigen Laubwaldkomplexes des Nationalparks.

Traddelkopf

In höchsten Höhen reift der Wald

Kellerwald M. Delpho 2003

Der Kellerwald aus der Luft

Der Traddelkopf, im Volksmund "die Traddel", ist mit 626 m über NN der höchste Berg des Nationalparkes. Er bildet mit dem direkt südlich anschließenden nur unwesentlich niedrigeren Ahornkopf und dem Ruhlauber einen großen alten Hallenwaldkomplex. Im Gegensatz zum Ruhlauber, der schon eine dichte zweite Baumschicht unter den Altbäumen aufweist, zeigt sich der Traddelkopf noch als vegetationsarmer, relativ strukturarmer Wald. Dies liegt einerseits daran, dass das noch sehr dichte Blätterdach von Traddel- und Ahornkopf die Verjüngung hemmen. Andererseits wirkte sich der Einfluss des überhöhten Wildbestandes auch hier negativ auf die natürliche Waldentwicklung aus.

Der Traddelkopf ist seit 1998 nicht mehr forstlich genutzt worden. Seit zwei bis drei Jahren wird dies im Wald sichtbar. Die ganze Atmosphäre innerhalb dieses beeindruckenden, 180 bis 200-jährigen Bergwaldes hat sich verändert. Plötzlich tauchen horizontale Strukturen in Gestalt der ersten vom Sturm geworfenen Altbuchen auf. Da die gefallenen Bäume nun nicht mehr (wie seit Jahrhunderten geschehen) genutzt und aus dem Wald entfernt werden, steigt die Menge des Totholzes langsam aber stetig. So sind erste Lichtungen entstanden, meist mit einem noch hochaufragenden, pilzbesetzten Baumstumpf geschmückt. Von diesen Lichtungen wird die Verjüngung des Waldes ausgehen.

Altbuche

Baumpilze

Ein Mosaik verschieden alter Aufwuchskegel wird nach und nach den Waldboden erobern und schließlich die Lücken im Blätterdach wieder schließen.

Dafür werden an anderer Stelle neue Lücken entstehen. Der Wald ist wieder lebendig, darf seine eigene Gestalt wiederfinden und lässt uns staunen.

Oben auf dem Gipfel des Traddelkopf vermodern seit Jahrzehnten die Stämme zweier mächtiger Bergahorne. Sie lassen erahnen, welche Giganten einstmals diesen Platz beherrschten, und dass der Berg-Ahorn in Bergwäldern über 600 Meter Meereshöhe von Natur aus einen festen Platz hat. Auch der Name Ahornkopf weist auf vergangene ahornreiche Zeiten hin.

TIPP: Traddel- und Ahornkopf sind am besten vom Feriendorf bei Frankenau über den südwestlichen Haupteingang des Nationalparkes zu erreichen. Die Wegstrecke in eine Richtung beträgt etwa 4 Kilometer und führt über die kulturhistorisch bedeutsame "Quernst" (vgl. dort).

Bathildishütte

Fürstliche Jagdhütte und beliebter Rastplatz für Wanderer

Jagd mit Hund

Jäger mit Hund

Auf genau 500 Meter Höhe liegt die Bathildishütte, inmitten von jungen Kastanien-Hainen, mächtigen gepflanzten Douglasien und auffällig weiträumig stehenden Altbuchen. Alles weist hier auf die Vergangenheit des Nationalparks als fürstliches Waldgebiet hin: Kastanien wurden für Hirsch und Wildschwein an vielen Stellen des ehemaligen "Wildgatters" gepflanzt, um den Speisezettel der Tiere zu verbessern.

Die mächtigen Douglasien vermitteln einen parkähnlichen Eindruck. Weiträumig verteilt umschließen Buchen mit großen Kronen die Lichtung. Ihre reichlichen Bucheckern zogen das Wild magnetisch an. Die Bathildishütte ist Teil eines aus dem 19 Jahrhundert datierenden ehemaligen Gebäudekomplexes aus Jagdhaus, Pferdestall und Scheune. Das ursprüngliche fürstliche Jagdhaus brannte schon vor langer Zeit ab. Der ehemalige Pferdestall wurde zur Jagdhütte umgebaut. Das Gebäude diente bis zur Ausweisung des Nationalparks als Jagdhütte für die Jagdgäste der Staatsforstverwaltung. Die zentrale Lage im Nationalpark und das kühle klare Wasser aus der Handpumpe neben der Hütte machen diesen Platz bei Wanderern so beliebt als Rastplatz.

Tipp: Wer zur Bathildishütte wandern möchte, muss eine gewisse Ausdauer und genügend Zeit mitbringen, da sie mitten im Nationalpark liegt. Wegen der zentralen Lage der Bathildishütte erübrigt sich auch eine Wegbeschreibung, denn: "alle Wege führen zur Bathildishütte".

Rabenstein

Blaue Pitsche und Sinterquellen

Raufußkauz

Auch der Rauhfußkauz ist im Nationalpark zu Hause

Der Rabenstein bildet mit seiner steil ansteigenden Bergkuppe, die mit 439 Metern Höhe über den Affoldener See aufragt, den östlichsten Ausläufer des Nationalparks.

Auf seinem Gipfel findet sich erstaunlicherweise ein kleiner Teich mit Seggensümpfen und vermoorten Randbereichen, umgeben von alten Hutungsflächen und knorrigen Baumgestalten auf blockreichem Grund. Dies ist die "Blaue Pitsche", ein natürliches Quellmoor, das sich hier zwischen drei Berggipfeln gebildet hat. Weiter unterhalb am nordwestlichen Mittelhang des Rabenstein finden sich schroffe Felsformationen, bewachsen mit krüppeligen Bäumen verschiedenster Art und einer stellenweise reichen Kraut- und Strauchschicht. Unten schimmert der Affoldener See durch das Buchengrün.

Das Wahrzeichen des Berges sind die ausgedehnten wechseltrockenen, flechten- und moosreichen Eichenwälder am Süd- und Osthang, in denen der seltene Mittelspecht lebt. Die Bergkuppe trägt einen großflächigen Blockwald, der sich durch den hohen Anteil von Mehlbeer-Bäumen auszeichnet. Eine für das nordhessische Bergland ganz besonderes Naturphänomen ist die Kalk-Sinterquelle am Schatthang des Rabenstein. Sinterquellen, deren Wasser beim Weg durch kalkhaltiges Gestein den Kalk aufnimmt und in Form von ständig wachsenden Kalkkrusten dann wieder ablagert, können sich in den kalkfreien Silikatgesteinen des Kellerwaldes normalerweise nicht ausbilden. Doch hier am Unterhang des Rabenstein verläuft ein schmales Kalkband, bestehend aus Jahrmillionen altem, devonischem Riffkalk. In dem sehr empfindlichen Quellbiotop leben sehr seltene Moose und Kleintiere. Der vernünftige Wanderer tritt der Quelle "daher nicht zu nahe", sondern freut sich still an ihrer Existenz.

Tipp: Die wechselnden Waldbilder des Rabenstein lassen sich am besten von der Ortschaft Mehlen aus erwandern. Hier beginnt ein schöner Weg, der zunächst durch wechselhafte Kulturlandschaft auf die Ostseite des Rabenstein und in einer Runde um den Berg zurück zum Ausgangspunkt führt.

Der Ringelsberg

Felsklippen, Fernsicht und alte Eichen

Ederseeblick2

Fernblick vom Ringelsberg

Der Ringelsberg liegt am Nordrand des Nationalparks und fällt mit seiner Westflanke direkt in den Edersee. Er bildet zusammen mit Arensberg und Bärenbachtal die größte Kernzone des Nationalparks. Diese Kernzone im Nordwesten des Nationalparkes soll nur randlich für Besucher geöffnet werden, da störungsempfindliche Waldbewohner wie Schwarzstorch, Fischadler und Wildkatze einen größeren, naturnahen Rückzugsraum brauchen.

Der Ringelsberg weist einige Besonderheiten auf, die vom interessierten Wanderer auf etwas längeren Wegen erlebt werden können. Da ist zum Einen der fast senkrecht zum Edersee abstürzende Westhang mit seinen urwüchsigen, unberührt wirkenden Naturwaldformationen auf felsigem Grund. Hier herrschen beeindruckende Linden-, Bergahorn- und Eschengestalten, die sich in den steilen Fels krallen und dem aufschauenden Wanderer ein Gefühl von natürlicher Urwüchsigkeit und Überlebenskraft vermitteln.

Der Hang ist hier so steil, dass eine Holznutzung in alter oder neuer Zeit kaum vorstellbar erscheint. Spuren menschlicher Nutzung sind nicht zu entdecken.
Über dem Örtchen Asel-Süd steigt der Ringelsberg Richtung Süden steil an und bietet nach kurzer Wegstrecke aus 330 Meter Höhe einen wunderschönen Ausblick auf den Edersee.

Tipp: Der Ringelsberg gilt innerhalb des Besucherlenkungskonzeptes des Nationalparkes als störungsempfindliche Zone und soll daher nur begrenzt für Wanderer zugänglich gemacht werden. Eine attraktive und sensible Wegeführung für diesen Gebietsteil wird mit dem "Ringelsberg-Wildniserlebnispfad" als Teilstück des hochattraktiven "Urwaldsteiges" derzeit noch erarbeitet. Einen Blick auf die beeindruckenden Urwaldreste kann man jedoch jederzeit von der westlich von Asel-Süd zwischen See und Wald verlaufenden Uferstraße werfen.

Hagenstein

Loreley des Edertales

Edersee im Herbst 2003 Delpho

Ausgetrockneter Edersee im Sommer 2003

Das Naturschutzgebiet "Hagenstein" umfasst einen eigentümlichen Waldkomplex, der sehr an die Urwälder des Edersee-Nordufers erinnert und nie intensiv genutzt worden ist. Der Steilhang des Hagenstein ist der ehemalige Prallhang der Eder.

Mannigfaltige Waldbilder haben sich hier auf dem felsigen Steilhang unter trockenwarmen Bedingungen gebildet. In besonnten Waldlücken finden sich der seltene Großblütige Fingerhut und die schöne Graslilie. An den Tonschieferfelsen am Oberhang wachsen seltene Kleinfarne, Felsenmispel-Gebüsch, Schwalbenwurz und seltene Rosenarten. Die Bäume (überwiegend Buchen und nur wenige Eichen) entwickeln wegen der Trockenheit des sonnenzugewandten Steilhanges nur knorrige und buschartige Wuchsformen, es haben sich regelrechte "Buschwälder" ausgebildet. Jeder Baum ist eine individuelle Gestalt. In wechseltrockenen Hangmulden finden sich Eichen-Hainbuchenwälder mit üppigen Perlgras-Fluren. Das einzige Vorkommen des Steppengrashüpfers im Nationalpark findet sich hier am Hagenstein, es handelt sich dabei um ein Reliktvorkommen aus nacheiszeitlichen Wärmeperioden.

Graslilie am Hagenstein

Die Graslilie gilt als Charakterpflanze des Hagenstein und wächst hier in zahlreichen, stolz aufragenden Exemplaren

In der Nähe des Kulturdenkmales "Backofen" sind zwei ausgedehnte, überwiegend waldfreie Blockhalden zu bestaunen, die zu den beeindruckendsten "Felsbildungen" des Nationalparkes zählen. Der Hagenstein gehört aufgrund seiner vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten und des eigenwilligen Landschaftscharakters zu den herausragenden Naturschätzen des Nationalparkes.

Tipp: Der Hagenstein ist am besten von Schmittlotheim aus in einem ca. einstündigem Marsch zu erreichen. Der Weg beginnt am Gasthof "Zum Elsebach".

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