Hessen.NABU.de Themen Nationalpark Kellerwald

„NetzWerk“ zeigt Uhu, Luchs und Hirsch

„NetzWerk“ zeigt Uhu, Luchs und Hirsch

NABU ist Partner bei neuer Nationalpark-Ausstellung im BuchenHaus

NABU-Ausstellung

Die NABU-Ausstellung "NetzWerk" zeigt die biologische Vielfalt im Nationalpark anhand von Luchs, Schwarzspecht, Rothirsch, Uhu, Rotmilan und Fledermäusen auf


Anfang April eröffneten die Umweltministerin Lucia Puttrich und der NABU-Landesvorsitzende Gerhard Eppler die NABU-Ausstellung „NetzWerk“ im neuen BuchenHaus am Wildtierpark Edersee. Das BuchenHaus ist ein Infozentrum des Nationalparks Kellerwald-Edersee, für dessen Einrichtung der NABU viele Jahre gekämpft hat. Mit der Präsentation von Luchs, Rothirsch, Uhu, Rotmilan und Schwarzspecht weist die NABU auf die große Bedeutung des Nationalparks für die biologischen Vielfalt hin. Die Ausstellung möchte aber auch deutlich machen, dass ein wirksamer Artenschutz darüber hinaus gehen muss und "vor der Haustür" beginnt. So benötigt etwa der Schwarzspecht überall in Hessen alte Bäume, um als Art überleben zu können.

NABU-Netzwerke

Umweltministerin Puttrich begutachtet den "Hirschstuhl" in der NABU-Ausstellung

Anhand beeindruckender Ausstellungswände und interaktiven Angeboten auf Bildschirmen kann man sich die Welt dieser Arten erschließen. Ausbreitungsspiele verdeutlichen die Barrieren und Gefahren, die die Tiere bei ihren Wanderungen überwinden müssen. Bei Mitmachaktionen können die Besucher mit den Ohren des Luchses lauschen, wie ein Uhu im Dunkeln sehen, den Gang des Hirsches nachahmen, mit scharfen Rotmilan-Augen auf Mäusejagd gehen oder bei einem Klopf-Wettbewerb gegen den Schwarzspecht antreten. Eine besondere Attraktion ist eine urige Fledermaus-Baumhöhle, die Jung und Alt in die Welt der faszinierenden Nachtkobolde versetzt. Der NABU investierte 110.000 Euro in die Ausstellung.

Der Nationalpark Kellerwald-Edersee

Ein 5.724 Hektar großes Naturjuwel in Nordhessen

Kellerwald2

Blick über den Kellerwald

Ein Wald-Meer mit urwaldähnlichen Altbuchenbeständen, Waldwiesentäler, durch die sich kristallklare Bäche schlängeln, Blockschutthalden als Zeugen der letzten Eiszeit, umrahmt von Sommerlinden und Eichen, von denen einige an die tausend Jahre alt sein können. Feuchte Schluchten mit Eschen und Bergulmen, Orchideenwiesen und Pfingstnelkenfluren, genauso faszinierend wie der scheue Schwarzstorch, die vielen Spechtarten, der Uhu, die zahlreichen Fledermäuse und die seltene Wildkatze.

Ederseeblick

Der Edersee im Norden des Kellerwaldes

Finden kann man dieses Naturparadies im nördlichen Kellerwald in Hessen südlich des Ederstausees, etwa zwischen Kassel und Marburg gelegen. Dieses einmalige Waldgebiet zeichnet sich durch seinen überdurchschnittlich hohen Laub- und Totholzanteil aus, in dem viele Alt- und Totholz bewohnende Insekten mit solchen Raritäten wie Hirsch- und Bockkäfern mit zahlreichen bedrohten Vogelarten ein letztes Refugium haben. Der Kellerwald zählt zu den letzten großen unzerschnittenen Laubwaldgebieten Mitteleuropas.

Die besondere Bedeutung des Buchenwaldes
Die uns so vertraute Rotbuche kommt weltweit nur in Mitteleuropa vor. Deutschland liegt im Zentrum ihres Verbreitungsgebietes. Damit hat Hessen als das waldreichste Bundesland eine weltweite Verantwortung, für den bei uns so typischen bodensauren Buchenwald ein großräumiges Schutzgebiet einzurichten.

Kellerwaldkarte

Der Nationalpark (kräftig grün), eingebettet in den Naturpark Kellerwald (blassgrün).

Wie kaum ein anderes Gebiet ist der Kellerwald wie geschaffen, als Nationalpark ausgewiesen zu werden. Im Nationalparksystem für Deutschland, das typische Gebiete schützt wie das Wattenmeer oder den Bergfichtenwald im Bayerischen Wald, ist der Kellerwald sozusagen ein bisher fehlendes Bindeglied. Die Unterschutzstellung des für unsere Klimazone typischen so genannten bodensauren Buchenwaldes - die vorherrschenden Waldtyps in Deutschland - fehlte bislang.

Der Nationalpark Kellerwald-Edersee "repräsentiert einen für das Mittelgebirge des westlichen Europas typischen Buchenwald mit kleinflächig eingestreuten Sonderstandorten, vor allem felsigen-trockenen Steilhängen, feuchten Talgründen mit weitgehend naturbelassenen Bächen und kleinen nährstoffarmen Waldwiesen", so das Hessische Umweltministerium. "Seine Flächen erfüllen die naturschutzfachlichen Kriterien eines Flora-Fauna-Habitat- und Vogelschutzgebietes und sind als Teil des zusammenhängenden europäischen Netzes von Schutzgebieten 'Natura 2000' vorgesehen."

Kellerwald

Kellerwald-Panorama

Nationalparke dienen in erster Linie dem Schutz ursprünglicher Landschaften - oder sehr naturnaher Gebiete, die vom Menschen nur wenig beeinflusst oder genutzt wurden. Diese haben ein hohes Potential, sich als Nationalpark von alleine wieder zu einer urwüchsigen Naturlandschaft entwickeln zu können.

Nationalparke sind aber auch dazu da, die darin ablaufenden Prozesse und die Schönheit der Natur dem Menschen näher zu bringen. Hier kann er sich erholen, noch ursprüngliche Natur erleben und somit verstehen lernen. Bäume etwa dürfen ihr natürliches Alter von mehreren hundert Jahren erreichen und so wieder zu stattlichen Baumriesen werden. Der Wald verjüngt sich von selbst, junge Bäume wachsen auf den Nährbetten umgestürzter Bäume, Struktur und Vielfalt - auch an Lebensgemeinschaften - darf sich entfalten.

mehr Höhepunkte des Nationalparks...

Eremit

er europaweit seltene Eremit.

Der Kellerwald hat ein gewaltiges Entwicklungspotenzial: 37 Prozent der Laubholzbestände sind bereits über 140 Jahre alt, dreimal älter als im Landesdurchschnitt. In Kürze werden mehr und mehr Buchen in diese Altersphase kommen, in der das Leben im Buchenwald erst richtig losgeht. Dann gibt es auf 5.724 Hektar spannende Beobachtungs- und Forschungsmöglichkeiten über beginnende Urwaldprozesse, Naturverjüngung und die Entwicklung eines echten, unbeeinflussten großen Naturwaldes.

Heimat von Wildkatze und Bartfledermaus
Die alten Bäume mit ihren vielen Höhlen und morschem Holz sind bereits heute der Lebensraum vieler seltener Arten. So wurden allein 674 Schmetterlings- und 681 Käferarten nachgewiesen, auch die geheimnisvolle Wildkatze könnte hier eine dauerhafte Heimat finden. Eine Novum für Hessen und damit eine echte zoologische Sensation war die Entdeckung der Großen Bartfledermaus.

Raufußkauz

Raufußkauz

An europaweit bedeutsamen Arten gemäß der FFH-Richtlinie beherbergt der Nationalpark unter anderem die so genannten "prioritären Arten" Eremit und Spanische Flagge sowie Bechstein-Fledermaus, Großes Mausohr, Groppe und Hirschkäfer. Auch Wildkatze, Kleine Bartfledermaus, Braunes Langohr, Wasserfledermaus, Zauneidechse, Geburtshelferkröte, Rotes Waldvögelein, Geflecktes Knabenkraut und Arnika sollen laut Nationalpark-Verordnung besonders gefördert werden. Zu den nach der europäischen Vogelschutzrichtlinie im Kellerwald besonders zu schützenden Arten gehören Rot- und Schwarzmilan, Raufußkauz, Uhu, Schwarzstorch, Mittel-, Grau- und Schwarzspecht, Zwergschnäpper und Sperlingskauz.

Bechstein-Fledermaus

Bechstein-Fledermaus

Die Ausweisung des Nationalparks ist auch ein großer Erfolg für den NABU. Seit über zehn Jahren kämpft er für die Einrichtung des Nationalparks. 2,5 Meter messen inzwischen die Aktenordner mit dem Briefverkehr zum Nationalpark in der hessischen Landesgeschäftsstelle, allein sechs davon bis zum Bersten gefüllt mit Presseberichten zum Kellerwald - wohl das Geheimnis des Erfolges. Denn die größte Herausforderung bestand darin, das Thema trotz aller Rückschläge kontinuierlich auf der Tagesordnung zu halten.

Bereits 1997 wurden Versäumnisse der Landesregierung durch eine Öffentlichkeitskampagne zusammen mit dem BUND und anderen Verbänden aufgefangen. Im "Korbacher Appell" bündelte der NABU die Fachleute: 68 renommierte Professoren forderten die Einrichtung des Nationalparks - ein Zeichen, das auch auf höherer politischer Ebene Eindruck machte.

Lange Auseinandersetzungen
Damals ging es auf und ab: Kreistag dagegen, Umweltminister erst dagegen, dann doch dafür. Nach der Wahl 1999 führte der Regierungswechsel erneut zur Ablehnung des Nationalparks. Und zur Zuspitzung: Der bereits verordnete Nutzungsverzicht in Teilbereichen wurde aufgehoben und der Einschlag der wertvollen Altholzbestände fortgesetzt.

NAJU-Demo für den Nationalpark

NAJU-Demo für den Nationalpark

In dieser Phase bemühte sich der NABU um weitere Bündnispartner: Umweltorganisationen, lokale Wirtschafts- und Touristikverbände. Auch die NAJU mischte mit Fahrradsternfahrt, Baumpatenschaften und Kellerwaldtheater munter mit. 1999 unterzeichnete der damalige NABU-Präsident Jochen Flasbarth mit Vertretern regionaler Wirtschaftsorganisationen eine Sechs-Punke-Erklärung. Darin wurde gefordert, dass ein weiterer Einschlag unterbleiben und die Option Nationalpark erhalten werden müsse.

Parallel reichte der NABU bei der EU-Kommission eine Beschwerde ein, weil der Holzeinschlag der Zielsetzung des gemeldeten Natura-2000-Gebiets zuwider lief. Mit großem Erfolg: Zwölf Tage später verordnete Umweltminister Wilhelm Dietzel den vollständigen Nutzungsverzicht der Laubwälder im Gebiet.

Meinungswechsel nach der Landtagswahl
Das Ministerwort führte zu einem Burgfrieden bis zur Landtagswahl 2003 - eine Ruhephase, die offensichtlich allen Beteiligten gut getan hat. Denn nach der Wahl entschied sich die CDU-Landesregierung überraschend für den Nationalpark. Der Zusatz "wenn die Region zustimmt" erscheint heute in einem anderen Licht: Denn die ursprüngliche örtliche Ablehnung war auf unzureichende Information der Bevölkerung zurückzuführen. Jahrelange Aufklärungsarbeit auch des NABU hat zu einem Umdenken vor Ort geführt. Im Juni 2003 sprachen sich sowohl der Kreistag Waldeck-Frankenberg als auch die Regionalversammlung Nordhessen eindeutig für die Ausweisung des Nationalparks aus. Am 18. August wurde dann der Entwurf für die Nationalpark-Verordnung vorgelegt und am 17. Dezember 2003 vom Kabinett beschlossen - für den NABU-Landesvorsitzenden Rüdiger Wagner "ein großer Tag für Hessen".

Kellerwald-Demonstration

NABU-Großveranstaltung für den Nationalpark in Frankenau

Wagner weiter: "Wir begrüßen das Nationalparkziel einer möglichst raschen unbeeinflussten Naturentwicklung in fast dem gesamten Gebiet. Nun muss als nächstes eine effiziente Nationalparkverwaltung aufgebaut werden, die auch attraktive Angebote für Besucher schafft." Der NABU regt hierzu unter anderem an, die im Gebiet vorhandenen breiten Wege in schmale Pfade umzuwandeln, die viel interessanter und erlebnisreicher wären, als weithin überblickbare, breite Forstwege. Positivbeispiele hierzu aus anderen Nationalparks gibt es genug.

Der NABU wirkt mit bei der Erarbeitung der Verordnung, des Managementplans und bei Besucherangeboten. Er will Ansprechpartner sein für alle, die dem Naturschutzprojekt noch skeptisch gegenüber stehen. Und er will begeistern. Damit der "Urwald von morgen" Schule macht.

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