Hessen.NABU.de Themen Fließgewässer NABU-Projekt Fuldaaue
NABU-Projekt Fuldaaue
Osthessen verdient eine lebendige Fulda!
Zahlreiche Renaturierungsprojekte zeigen, wie es gehen kann
Fuldaaue bei Rotenburg
Bevor vor mehreren Jahrhunderten die Auen- und Erlenbruchwälder gerodet wurden, muss es an der Mittleren Fulda eine Vielzahl von Sümpfen und Nass- und Feuchtwiesen gegeben haben. Aber schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren viele dieser interessanten Lebensräume durch Trockenlegung und Intensivierung der Landwirtschaft verschwunden.
Nur 24 ha gibt es heute noch in dem insgesamt 3200 ha großen Gebiet. In neuerer Zeit wurde dann auch zunehmend das Grünland umgebrochen und in Ackerflächen umgewandelt. Die für die Aue charakteristischen Arten verschwanden von der Fulda oder wurden bis auf Restvorkommen zurückgedrängt.
Ökologisches Konzept für Fulda- und Hauna-Aue
An Ideen zur Renaturierung fehlt es dem NABU nicht
Fulda nach Baumbach bei Rotenburg
Das "Jahrhunderthochwasser", das im Januar 1995 immense Schäden in der Stadt Rotenburg und anderen Gemeinden an der Fulda verursacht hatte, legte den Grundstein für das Projekt "Fuldaaue".
Der NABU hat gemeinsam mit der Naturlandstiftung Hersfeld-Rotenburg und der Naturkundlichen Gesellschaft Mittleres Fuldatal ein Gesamtkonzept für die Fulda- und Haune-Aue entwickelt. Darin werden auf 75 km Fließgewässerlänge und einer Fläche von 3500 ha wertvolle Naturbereiche dargestellt und Renaturierungsvorschläge gemacht.
Zur Umsetzung der zahlreichen Projektideen gründete der NABU Hessen 2001 eine Landesarbeitsgruppe "Lebendige Fulda". Sie hat ein Netzwerk von ehrenamtlichen Naturschützern aufgebaut. Zahlreiche konkrete Renaturierungsmaßnahmen wurden bereits umgesetzt
Rechtlicher Schutz für die wertvollen Naturreste!
EU-Schutzgebiete sichern heute wichtige Fuldaabschnitte vor weiterer Zerstörung
Flussaufwärts von Bebra liegt das FFH-Gebiet Fuldaaue. Rechts Breitenbach
Der Landkauf ist teuer und kann immer nur begrenzt erfolgen. Die großräumige Sicherung kann schneller durch die öffentliche Hand erfolgen. Deshalb setzte sich der NABU in den letzten Jahren vor allem für die rechtliche Sicherung der Fuldaaue durch EU-Schutzgebiete ein.
Durch erheblichen politischen Druck konnte erreicht werden, dass das Land Hessen im Jahr 2004 große Abschnitte der Fuldaaue der Europäischen Kommission als Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiet vorschlug.
In Rotenburg flussaufwärts beginnt das EU-Vogelschutzgebiet
Weiteres Ziel des NABU war, die Meldung der Fuldaaue als Europäisches Vogelschutzgebiet zu erreichen. Hessen hatte bis zum Jahr 2000 gerade einmal 0,2% der Landesfläche gemeldet und die Verpflichtungen damit 20 Jahre lang bei Weitem nicht erfüllt. Um endlich Handlungsdruck zu erzeugen, erarbeitete der NABU im Jahr 2000 eine aktualisierte Liste von "Important Bird Areas (IBA)", in der auch das IBA "Mittleres Fuldatal" in einer Abgrenzung von 3200 ha enthalten ist. Tatsächlich führte die Veröffentlichung der IBA-Liste zum Erfolg: Im Jahr 2004 meldete das Land Hessen auf Druck der Europäischen Kommission 14,7 % der Landesfläche als EU-Vogelschutzgebiet an.
Die Fulda aus der Vogelperspektive
Manchmal geht der NABU auch in die Luft
Die erste spektakuläre Öffentlichkeitsarbeit für die Renaturierungsprojekte an der Fulda wurde im Rahmen einer Luftschiff-Befahrung vom 2.-6. Juni 1997 gemacht. Die Luftbilder auf dieser Internetseite stammen aus diesem Einsatz von den Fotografen A. Werner, H. Dietz und M. Kalinka. Der NABU führte diese Einsätze von 1996-2003 fast jährlich in Kooperation mit der Firma ADLER in verschiedenen Regionen Hessens durch. Im April 2003 wiederholte der NABU die Luftschiff-Befahrung an der mittleren Fulda ein weiteres Mal.
Nasse Wiesen von Meckbach
Flächensicherung durch Landkauf
Sumpfdotterblumenwiese
4 km südlich von Bebra liegt das Feuchtwiesengebiet "Die nassen Wiesen bei Meckbach". Der NABU führt hier gemeinsam mit der Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal seit 1993 ein Projekt durch. Es hat eine Gesamtgröße von etwa 35 ha. Mittlerweile wurden 10 ha Land gemeinschaftlich erworben. Ziel des Projektes ist der Erhalt der großen offenen Wiesen und durch Hangquellen gespeisten Nasswiesen, sowie der artenreichen Feuchtbrachen.
Damit soll der Wert des Gebiets für Wiesenbrüter, Neuntöter und als Limikolen-Rastplatz gesichert werden. Inzwischen konnten bereits Schwarzstorch und Graureiher als Nahrungsgäste, sowie Bekassine, Waldwasserläufer und Flussuferläufer als Zugvögel im Projektgebiet beobachtet werden. Auch Spießenten, Krick- und Knäkenten nutzten die Wasserflächen zur Rast.
Seit dem 5. August weiden 4 Rinder auf der Projektfläche.
Heckrinder fressen für den Naturschutz
Beweidungsprojekt mit der Auerochsen-Rückzüchtung
Heckrind
Urige Bilder finden sich zwischen Mengshausen und Kerspenhausen in Niederaula. Hier grast mittlerweile ganzjährig eine NABU-Heckrinder-Herde, um das Gebiet offen zu halten. Heckrinder sind eine Rückzüchtung, die den ausgestorbenen Auerochsen sehr ähnlich sehen.
Das 14 ha große Weidegebiet wird regelmäßig überflutet, hat aber auch Bereiche oberhalb der Hochwasserlinie, in die sich die Tiere zurückziehen können. 8 Kleingewässer wurden angelegt, die neben einer Quelle auch die Wasserversorgung sichern. Die Tiere schaffen ein Mosaik aus stark beweideten und selten beweideten Flächen mit großer Artenvielfalt. Heute finden sich schöne Schilfbestände Schwertlilien, Igelkolben, Sumpfdotterblumen, Orchideen und Teufelsabbiss auf der Fläche. Die Projektfläche befindet sich im Eigentum des Forstamtes und des NABU.
Renaturierungen bei Niederaula
Strukturreichtum für Artenvielfalt
Flussaufwärts setzen sich die Projekte fort. Blick von Ludwigsau nach Friedlos
Bei Niederaula wurde im September 2003 das Fuldabett aufgeweitet und ein tiefer Gumpen angelegt. Solche strömungsberuhigten Flusstaschen dienen als Ruhe- und Überwinterungsraum für Fische. Entstanden ist eine Insel, die durch einen Kieswall mit dem Ufer verbunden ist. Im Bereich einer verschütteten Flutmulde wurde ein großer und tiefer Kolk angelegt. Der Erdaushub aus dem Kolk führt zukünftig die Strömung auf einen neu gestalteten Prallhang zu. Hier können sich Eisvögel oder Uferschwalben ihre Uferröhren graben und nisten.
Durchgeführt wurde das Projekt von der Gemeinde Niederaula als Ausgleichsmaßnahme für zukünftige Eingriffe in die Natur. Bei der Planung und Bauausführung haben Aktive des NABU Bad Hersfeld tatkräftig mitgewirkt.
Auwald nördlich der Großen Kiesgrube bei Braach
Bei Niederjossa wurde im September 2003 in der Nähe der Jossamündung eine etwa 300 m lange Altarmschlinge wieder hergestellt. Die Altarmschlinge war beim Bau der A7 1982 zugeschüttet worden. NABU und Naturlandstiftung in Hersfeld-Rotenburg hatten daher vorgeschlagen, dies Renaturierungsmaßnahme durchzuführen. In einer historischen Karte des Kurfürstentums Hessens von 1850 ist diese alte Fuldaschleife noch erkennbar.
Rückkehr des Bibers an die Fulda
Bebra - Stadt der Biber
Der Biber in guten Händen...
Die Renaturierungsprojekte leisten auch einen Beitrag zur Lebensraumverbesserung für den zurückkehrenden Biber. Die ersten 2-3 Tiere sind bereits vom Spessart her an die Oberläufe der Fulda zugewandert. Mittelfristig wird sich die hessische Biberpopulation entlang der Fulda ausbreiten. Die Fulda hat für die Rückkehr der Biber in ganz Hessen eine wichtige strategische Bedeutung. Denn über sie wird auch das Edersystem und vielleicht auch das Lahnsystem rückbesiedelt werden. Mit dem Biber als Landschaftsgestalter wird die natürliche Flussdynamik erheblich gefördert. Vielleicht ergeben sich ja daraus Perspektiven für den bisher in Hessen noch ausgestorbenen Otter?
Bebra, die Stadt der Biber...
Forbachsee gerettet!
Dynamik muss erkämpft werden
NSG Forbachsee
Nach heftigen Protesten konnte 2002 verhindert werden, dass ein entstandener Wildflussabschnitt im Bereich des Naturschutzgebiets Forbachsee bei Bebra verbaut wurde. Der Forbachsee besteht aus zwei ehemalige Kiesseen, die renaturiert wurden. Sie sind heute maximal 3 Meter tief. 1985 durchbrach die parallel verlaufende Fulda bei einem Hochwasser den trennenden Damm, durchfloss die Seen und trat an zwei Stellen wieder hinaus. Dadurch wurden die Seen auf hervorragende Weise in das dynamische Flusssystem integriert. Uferabbrüche und Kiesbänke entstanden.
Stein des Anstosses: Fulda-Einlauf in den Forbachsee
Dennoch wollte nach einigen Jahren das Wasser- und Schifffahrtsamt den Zufluss wieder verschließen, weil im alten Flussbett bei Niedrigwasser Kiesbänke entstehen, an denen Paddler sich ihre Boote beschädigen könnten. Der NABU verteidigte das Naturschutzgebiet mit Erfolg: Das Bundesverkehrsministerium teilte nun endlich mit, dass es das Wasser- und Schifffahrtsamt angewiesen habe, keine weiteren Verbauungen im NSG vorzunehmen.
Pressemitteilung zum Forbachsee-Konflikt...
Mit dem NABU Natur erleben
Naturführer Naturerlebnis Fulda
Mit diesem reich bebilderten und mit vielen farbigen Karten und Grafiken versehenen Buch kann man spontan auf Fluss-Entdeckungsreise gehen. Ob man mit den Rad unterwegs ist oder eine kleine Wanderung plant, der Naturführer weist den Weg zu den schönsten Stellen des Fuldatals.
Dr. Rainer Cornelius war ein Jahr lang mit der Kamera zwischen Gersfeld und Hann. Münden unterwegs und hat Natur-Höhepunkte und Kulturelles in dem 114 Seiten starken Taschenbuch dokumentiert. ISBN 3-00-011707-5 8,95
Broschüre Lebendige Fulda
Auenentwicklung für Mensch und Natur
Die 2004 erschienene Broschüre verschiedener Naturschutzverbände an der Fulda beschreibt auf 39 Seiten zahlreiche erfolgreiche Renaturierungsprojekte an der Fulda.
Sie ist für 3,00 Euro zu beziehen bei:
Auwel-Verlag
Schützenweg 9
36272 Niederaula
Weiterführende Informationen
Mehr zu den Fulda-Aktivitäten finden Sie hier:
NABU, NATURLANDSTIFTUNG HERSFELD-ROTENBURG, NGMF (2000):
Ökologisches Gesamtkonzept für Fulda- und Hauneaue im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.
Projekte des NABU Fulda-Künzell

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