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NABU Hessen fordert Atomausstieg
NABU Hessen fordert Atomausstieg
Die Nutzung der Atomenergie ist eine Sackgasse
Der NABU Hessen setzt sich für den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Risikotechnologie Atomkraft und den naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien ein
Der Atomausstieg ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen und sicheren Erzeugung von Energie. Nur mit dem möglichst raschen Umstieg auf erneuerbare Energien und ihre dezentralen Strukturen ist Deutschland für die Zukunft gerüstet. Auch das Enegiesparen bietet riesengroße Einsparpotenziale und könnte Biblis ersetzen. Deshalb spricht sich der NABU Hessen für das sofortige Abschalten des Uraltmeilers Biblis aus. Mit der Stillegung der beiden Reaktoren gehen in Hessen nicht die Lichter aus.
Biblis birgt unkalkulierbare Risiken
Noch länger Atomkraft? – Der NABU Hessen sagt "Nein Danket!"
Das zeigt sich schon daran, dass Biblis in den letzten Jahren kaum noch Strom produziert hat und wegen des Moratoiums zurzeit vom Netz genommen ist. Laut Atomausstiegsgesetz hätte der Block A bereits 2009 abgeschaltet werden sollen, der Block B in 2011. Mit langen Revisionszeiten verzögerte aber der Betreiber RWE das Erreichen der vereinbarten Reststrommenge. Anderthalb Jahre lang produzierte Biblis gar keinen Strom. Gerichtlich versuchte RWE sogar, vereinbarte Reststrommengen von relativ neuen auf die ältesten Atomkraftwerke zu übertragen, um deren Abschaltung zu verhindern. Damit überbrückte der Konzern die Zeit bis zur Laufzeitverlängerung der Bundesregierung im Herbst 2010. „Profitgier darf nicht auf Kosten der Sicherheit der Menschen gehen“ verurteilte der NABU-Landesvorsitzende Gerhard Eppler dieses ignorante Vorgehen. Denn die Biblis-Reaktoren entsprechen keineswegs modernen Standards.
Schlecht gegen Flugzeugabsturz gesichert
Das Atomkraftwerk Biblis ist gegen Flugzeugabstürze schlecht gesichert
Erst im Juni 2009 berichtete das ZDF-Magazin Frontal über eine Studie, die das Wiesbadener Umweltministerium seit sieben Jahren unter Verschluss hält. Danach wird bei einem Flugzeugabsturz auf Biblis eine massive Freisetzung radioaktiver Strahlung erwartet. Alte Technik nutzt sich ab: In den vergangenen 30 Jahren sind in Biblis A und B mehr als 730 meldepflichtige Störfälle aufgetreten. Und selbst wenn alle diese „kleinen“ Störfälle noch rechtzeitig entdeckt wurden – wir können uns nicht einen einzigen „echten“ Störfall leisten: Die Kosten eines Super-GAUs in Biblis werden auf über 2 Billionen Euro geschätzt. Das Öko-Institut Darmstadt ermittelte, dass Menschen in einem Gebiet von bis zu 10.000 Quadratkilometer evakuiert werden müssten. Mehrere Millionen Menschen aus Darmstadt, Frankfurt, Offenbach bis kurz vor Fulda und Nürnberg müssten also umgesiedelt werden. Bis zu 4,8 Millionen Menschen würden an Krebs erkranken.
Möglicherweise sind die Kosten noch viel höher, denn es ist fraglich, ob die Autobahnen A3, A5, A45 und A66 nicht um den verstrahlten Ballungsraum herumgelegt werden müssten. Auch der Weiterbetrieb des Großflughafens ist fraglich. Es wäre das Ende unserer Volkswirtschaft und unseres Wohlstandes. In Tschernobyl sind seit dem Super-GAU von 1986 rund 800.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche und 700.000 Hektar Wald wirtschaftlich nicht mehr nutzbar. Es ist verantwortungslos, die veraltete Technik weiter laufen zu lassen, bis tatsächlich eine Katastrophe im Rhein-Main-Gebiet passiert.
Atomkraft ist keine saubere Energie
Mit dem Wechsel zu Ökostrom kann jeder zur Energiewende beitragen
Das Atommoratorium zeigt, dass eine von der Atomlobby immer wieder propagierte „Stromlücke“ beim endgültigen Abschalten der alten Reaktoren nicht zu befürchten ist. Der NABU fordert die sofortige Stillegung der sieben ältesten Atommeiler. Ein Weiterbetrieb der Atomkraftwerke würde die notwendige Energiewende hin zu erneuerbaren Energien unnötig blockieren. Atomenergie ist auch keineswegs sauber, wie von der Industrie behauptet: Das für die Atomkraft erforderliche Uran ist nur begrenzt verfügbar und kann nur unter großen Naturzerstörungen gefördert und nach Deutschland importiert werden. Ein Bericht der Zeitschrift „Natur + Kosmos“ enthüllte schockierend, wie viele zehntausend Menschen in Abbaugebieten wie im Niger regelmäßig vom radioaktivem Staub der Uranminen überzogen werden. Vor allem in wenig demokratischen Ländern ist der Uranabbau meist mit strikter Geheimhaltung und politischer und militärischer Repression verknüpft.
Die Entsorgung des Atommülls ist völlig ungeklärt
Der Salzstock Gorleben ist völlig ungeeignet als Endlager
Auch die „Entsorgung“ in Deutschland ist mehr als fragwürdig: Der Skandal um das Atommülllager Asse II im Herbst 2008 zeigte, dass Stromkonzerne und das Bundesforschungsministerium nicht vertrauenswürdig sind, wenn es um Atomenergie geht. Offiziell als „Forschungsbergwerk“ bezeichnet, diente es jahrelang als heimliches Endlager, in das scheinbar chaotisch schwach- und mittelradioaktiver Müll neben hochgiftiges Plutonium, Strontium und Thorium gekippt wurde. Nun brechen täglich 12.000 Liter Salzlauge in den Salzstock ein. Es droht die Entstehung eines radioaktiven Giftcocktails. Die Undichtigkeit ist seit 1967 bekannt – dennoch wurde weiter deponiert. Wenn man kein Vertrauen in die Lagerung haben kann, darf auch kein weiterer Atommüll produziert werden.
Bei einer Riskiotechnologie darf es kein menschliches Versagen und keine Gewinninteressen geben. Für die Konzerne geht es um viel Geld: Ein altes, abgeschriebenes Atomkraftwerk erwirtschaftet pro Tag fast eine Million Euro Gewinn. Eine Laufzeitverlängerung wäre ein Milliardengeschenk für die Konzerne. Dass die Atomenergie „billig“ sei, ist ein Märchen: Bis zu 40 Milliarden Euro wurden allein in Deutschland bisher an Subventionen für die Kerntechnik aufgewendet. Diese werden nicht dem Strompreis zugeschlagen, sondern als Steuern erhoben.
Den Ausbau erneuerbarer Energien fördern
Die Energie der Zukunft: Saubere Sonnenkraft statt Atomenergie
Für den Klimaschutz kann Atomenergie keine Rolle spielen: Ihr Anteil am weltweiten Energieverbrauch liegt trotz der 440 Kraftwerke bei nur 2,5 Prozent. Für eine spürbare Kohlendioxidreduktion empfiehlt die Internationale Energieagentur den Bau von 1400 neuen Atomkraftwerken – auch in instabilen Staaten. Sicherheitspolitisch und technisch undenkbar. Effektiver Klima- und Ressourcenschutz braucht keine Atomenergie, sondern erfordert eine deutliche Senkung des Stromverbrauchs, den beschleunigten Ausbau der dezentralen und hocheffizienten Kraft-Wärmekoppelung sowie den Einsatz eines möglichst breiten dezentralen Mix an erneuerbaren Energien wie Windkraft, Solaranlagen, Geothermie und nachhhaltige Biomassenutzung. Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss natürlich naturverträglich gestaltet werden.

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