Hessen.NABU.de Themen Artenschutz Maikäfer in Hessen

Gefährliches Gift im Pfungstädter Wald

Gefährliches Gift im Pfungstädter Wald

Protestaktion „Pro Wald“ von NABU, BUND und HGON


3. Mai 2010 Mit einem öffentlichen Die-In protestierten 50 besorgte Naturschützer von NABU, BUND und HGON vor dem Rathaus der Stadt Pfungstadt gegen den Gifteinsatz zur Maikäferbekämpfung im Gemeindewald. „Es ist unfassbar, dass die Stadt in einem Erholungswald großflächig Gift versprühen will, bei dem wahllos Käfer, Schmetterlinge und Wildbienen getötet werden – und das im internationalen Jahr der biologischen Vielfalt!“, so Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen „Auch für die Erholung suchenden Menschen ist der Gifteinsatz eine Zumutung,“ ergänzte Brigitte Martin, Vorstandssprecherin des BUND Hessen. Das eingesetzte Breitbandgift ist so gefährlich, dass der Wald nach dem Gifteinsatz 48 Stunden lang gesperrt werden muss und nur mit Schutzanzügen zu betreten ist. Für die Pfungstädter Bevölkerung ist der Spuk nach 48 Stunden aber noch nicht vorbei. Wildkräuter, Himbeeren, Brombeeren und Pilze dürften nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz weiterhin nicht gegessen werden. Es ist ein Rätsel, wie der Pfungstädter Bürgermeister gewährleisten will, dass Kinder in diesem Sommer den intensiven Kontakt zur Natur im Stadtwald meiden. Mit dem Gifteinsatz gefährdet er die erholungssuchenden Pfungstädter Bürger.

NABU-Aktion gegen Gifteinsatz in Pfungstadt

Sinnloser Aktionismus des Bürgermeisters gegen Maikäfer

Maikäferaktion Pfungstadt

NABU-Mitglieder setzen sich für den Stopp der Maikäferbegiftung ein

26. April 2010 Der NABU Hessen lehnt die von der Stadt Pfungstadt geplante Begiftung von 400 Hektar Stadtwald als sinnlosen und unverantwortlichen Maikäfer-Aktionismus ab. Das Breitbandgift zerstört gerade jene Artenvielfalt von seltenen Käfern, Schmetterlingen und anderen Insekten, die die Stadt angeblich erhalten will. Im Jahr der biologischen Vielfalt setzt sie damit die falschen Akzente. Da die Maikäfer ab Anfang Mai aus etwa 10.000 Hektar südhessischer Waldfläche ausfliegen, ist ein isolierter Gifteinsatz wirkungslos. Die Käfer gelangen dann von Nachbarflächen aus in den Pfungstädter Wald und legen ihre Eier ab. Aus den Eiern entwickeln sich Engerlinge, die den eigentlichen Schaden an den Wurzeln der Bäume anrichten. Die Massenvermehrung der Maikäfer ist nur ein Symptom für den schlechten Zustand der Riedwälder, die Ursachen sind andere. Der Wald leidet seit Jahrzehnten unter Grundwasserabsenkung und aktuell auch unter trockenen Sommern, die schon Anzeichen eines Klimawandels sind. Dauerhafte Lösungen können nur eine Anhebung des Grundwasserspiegels und neue Strategien in der Waldbewirtschaftung sein.

Gifteinsatz im Riedwald abgesagt

NABU Hessen begrüßt Entscheidung der Umweltministerin

Mädchen mit Maikäfer

Maikäfer sind Teil der heimischen Natur

Der NABU Hessen begrüßt die Entscheidung der hessischen Umweltministerin Silke Lautenschläger vom 18. Dezember 2009, den von der Forstverwaltung geplanten Gifteinsatz gegen Maikäfer in den Staatswäldern des Hessischen Rieds abzusagen. Der Beschluss gegen die Giftspritze bestätigt das nachdrückliche Eintreten vieler Bürgerinnen und Bürger für einen giftfreien und artenreichen Riedwald. Mehr als 1800 Menschen hatten an der Mailaktion der NABU-Initiative ProWald teilgenommen und die Ministerin gebeten, den Gifteinsatz im UN-Jahr der biologischen Vielfalt zu stoppen. Der NABU Hessen dankt allen Freundinnen und Freunden der Natur für ihr Engagement.

NABU-Initiative ProWald

Kein Gifteinsatz in den Wäldern des Hessischen Rieds!

Bedrohte Arten

Spanische Fahne, Nashornkäfer oder Kleiner Fuchs – das Breitbandgift "Dimethoat" tötet wahllos alle Insekten. In den europaweit geschützten Eichenwäldern des Rieds leben allein über 900 Käferarten.

Der Landesbetrieb Hessen-Forst plant, im April und Mai 2010 ein Nervengift über den Wäldern des Hessischen Rieds zu versprühen. Auf tausenden von Hektaren soll das Breitbandgift mit einem Hubschrauber in die Bäume gespritzt werden. Das Gift „Dimethoat“,
mit dem die alle vier Jahre ausfliegenden Maikäfer getötet werden sollen, macht keinen Unterschied zwischen Käfern, Bienen und Schmetterlingen: Es vernichtet wahllos alle Insekten. Es ist zudem auch giftig für Fische und andere Wassertiere.

Das Gift gefährdet aber nicht nur die Artenvielfalt in den Wäldern zwischen Darmstadt und Viernheim, es bedroht auch uns Menschen beim Spaziergang im Wald. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit warnt:

  • Sammeln Sie nach dem Einsatz des Giftes keine Pflanzen und Beeren im Wald!
  • Verzichten Sie nach dem Giftspritzen auf das Sammeln von Pilzen!

Das Mittel ist so giftig, dass der Wald nach dem Einsatz zwei Tage lang nur mit Schutzkleidung betreten werden darf. Ein Frühlingsspaziergang in den Wäldern des Rieds wird zum unkalkulierbaren Risiko!


Zukunftsperspektiven für die Riedwälder

Der NABU Hessen setzt sich für eine nachhaltige Sicherung und Entwicklung der Wälder des Hessischen Rieds ein. Die Zukunft der Wälder muss sich an den Kriterien einer naturnahen Waldbewirtschaftung orientieren:

  • Kein Gifteinsatz in den Wäldern des Hessischen Rieds
  • Die Wälder des Rieds müssen vorrangig der Erholung sowie dem Wasser-, Boden- und Naturschutz dienen
  • Einrichtung von Waldschutzgebieten, in denen erforscht werden kann, wie sich die Wälder des Rieds ohne Nutzung entwickeln
  • Anpassung der Waldbewirtschaftung an die aktuellen standörtlichen Bedingungen und den fortschreitenden Klimawandel
  • Erhalt und Förderung der Artenvielfalt in den Wäldern des Hessischen Rieds

Infoflyer der Initiative ProWald

Kein Gift in den Riedwäldern!

NABU lehnt geplanten Gifteinsatz im Hessischen Ried ab

Kein Gift im Wald

NABU-Aktivisten protestieren gegen den geplanten Gifteinsatz im Hessischen Ried

Der NABU Hessen lehnt die Pläne der hessischen Landesregierung ab, im kommenden Jahr Maikäfer mit dem Insektizid Perfekthion zu bekämpfen. Das Breitbandgift soll per Hubschrauber über den Wäldern versprüht werden. Es tötet jedoch nicht nur Maikäfer ab, sondern ist auch für zahlreiche andere Insekten giftig, wozu auch bedrohte Arten zählen. Im kommenden Jahr ist wieder eine alle vier Jahre auftretende Massenentwicklung zu erwarten. Der NABU kritisiert, dass durch den Gifteinsatz die Maikäferpopulation über viele Jahre auf hohem Niveau gehalten werde. Ein natürlicherweise alle 40 bis 50 Jahre zu erwartender Zusammenbruch der Population wird so verhindert. Es müssen die Ursachen bekämpft werden und nicht die Symptome.

Gifteinsatz im Wald ist keine Lösung

Waldmaikäfer-Paar

Maikäferpaar im Frühling

Der NABU Hessen befürchtet, dass der Gifteinsatz alle vier Jahre wiederholt werden muss. Denn aus den Waldbereichen ohne Bekämpfung kann sich der Maikäfer stets wieder auf die ganze Fläche ausbreiten. Es kann nicht jahrzehntelang mit Gifteinsatz ein ideales Waldbild erhalten werden, das weder dem Klima noch den Wasser-Verhältnissen im Hessischen Ried entspricht. Statt mit dem Gifteinsatz massiv in das Ökosystem einzugreifen, müssen die wirklichen Ursachen für die Probleme des Waldes angegangen werden. Hierbei spielt die Wiederanhebung des Grundwasserspiegels eine herausragende Rolle. Die Maikäfer können sich im Ried so stark vermehren, weil der trockene Boden ideale Bedingungen für Engerlinge bietet.

2010 wird ein richtiges "Maikäferjahr"

Waldmaikäfer frisst

Maikäfer können ganz schön gefräßig sein. Eichenblätter mögen sie gerne.

2010 ist wieder "Maikäferjahr". In den Wäldern an der Bergstraße und bei Darmstadt beginnt das große Krabbeln: Millionen von Maikäfern arbeiten sich im Boden aus 40 Zentimetern Tiefe an die Oberfläche. Nach vier Jahren Entwicklungszeit fliegen die Maikäfer nur wenige Wochen in unseren Wäldern, bis sie sterben. Vor allem mit DDT hat man in den 50er Jahren versucht, den Maikäfer auszurotten. Inzwischen hat sich der sympathische Blatthornkäfer von den Ausrottungsversuchen erholt. Letztes Hauptflugjahr im südhessischen Ried war 2006. Da die unterirdisch lebenden Käferlarven, die so genannten Engerlinge, in der Regel vier Jahre zur Entwicklung brauchen, ist es bald wieder soweit. Die Jungkäfer werden sich bereits im Herbst entwickeln und den Winter abwarten. Dann graben sie sich an die Oberfläche.

Wichtige Nahrungsquelle für Fledermäuse

Großes Mausohr

Fledermäuse nutzen Maikäfer im Frühling als willkommene Kraftnahrung

Im Frühling fliegen die Käfer zu den nächsten Bäumen, fressen sich an den Blättern satt und paaren sich. Die vielen Maikäfer locken zahlreiche Fressfeinde an. Die betroffenen Wälder des Hessischen Rieds sind wichtiger Lebensraum und Jagdrevier für gefährdete Fledermausarten. Großer und Kleiner Abendsegler, Großes Mausohr und Breitflügel-Fledermaus nutzen die Maikäfer als Kraftnahrung. Gute Maikäferjahre sind gute Fledermausjahre. Um geeignete Jagdreviere zu finden, legen die Insektenjäger aus ihren Quartieren im Odenwald kommend Entfernungen bis zu zwanzig Kilometern zurück. Kolonien der Breitflügel-Fledermäuse befinden sich direkt im Lorscher und benachbarten Bürstädter Wald. Die Abendsegler wiederum finden sich als Langstreckenzieher aus weiten Gebieten Mitteleuropas zu tausenden in den Maikäferwäldern ein. All diese Fledermäuse sind europaweit geschützte Arten.

Massenvorkommen vom Maikäfer gab es schon immer

Warnhinweis Gifteinsatz per Hubschrauber

Warnhinweis zur Giftspritzung an einem gesperrten Waldweg

Der Maikäfer gehört in die südhessischen Wälder, genauso wie Hirschkäfer und Mittelspechte. Die Käfer sind hier heimisch und das Ökosystem ist auf sie eingestellt. Seit Jahrtausenden haben sich die Wälder mit den regelmäßig auftretenden Massenvorkommen arrangiert. Der Maikäfer ist nicht neu - neu sind die Grundwasserabsenkung und Fehler der Forstwirtschaft. Unverständnis hat der NABU daher für den geplanten Gifteinsatz von Hessen-Forst. Die Maikäfer entwickeln sich in langen Rhythmen von 30 bis 45 Jahren. Auf dem Höhepunkt der Vermehrung kommt es zu Krankheiten und Parasitenbefall, so dass die Bestände von ganz alleine zusammenbrechen. Bekämpfungsaktionen können den Fraßdruck der Engerlinge auf die Baumwurzeln sogar verlängern. Denn sie nehmen der Bestandsentwicklung die Spitze und verhindern den natürlichen Komplettzusammenbruch. Die Forstbehörden müssten immer wieder neu Gift ausbringen.

Gifteinsatz ist teurer Aktionismus

Waldmaikäfer

Maikäfer sind ein normaler Bestandteil der heimischen Natur

Der NABU hält den geplanten Gifteinsatz in Hessen für teuren Aktionismus. Es ist sinnlos, ständig ein Giftmanagement gegen die Natur zu betreiben. Der Maikäfer muss als Teil der Natur akzeptiert werden. Es gibt zahlreiche andere Möglichkeiten, die Bedingungen der südhessischen Wälder zu verbessern und Verluste auszugleichen. Die Landesregierung hat die betroffenen Waldbereiche unter europäischen Schutz gestellt, um Arten zu schützen, die gerade lichte Wälder brauchen. Wichtig für diese Arten ist der lückige Charakter des Waldes, der laut Pflegeplan „durch kräftige Durchhauungen und lokalen Kleineinschlag“ bewahrt werden soll. Welchen Sinn macht dann die Bekämpfung des Maikäfers, der letztlich auch für Auflichtungen sorgt?

Weitere Informationen zum Maikäfer

Maikäfer-Positionspapier des NABU Hessen

mehr Bericht: Die Maikäfer sind wieder da

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