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Hamster Hermann darf wieder hoffen
Hamster Hermann darf wieder hoffen
Hessen hilft dem bedrohten Feldhamster
Der Feldhamster (Cricetus cricetus) war noch vor wenigen Jahrzehnten als „Getreideschädling“ verhasst und fast ausgerottet. Inzwischen arbeiten Landwirte und Naturschützer zusammen, um das Aussterben der Art zu verhindern – und „Hermann der Hesse“ hat sich zu einem sympathischen Werbeträger für den Naturschutz gemausert.
„Kopfprämien“ noch vor 30 Jahren
Noch vor 30 Jahren waren Hamster alles andere als beliebt. Nur die weichen Pelze der kleinen Nager waren begehrt. Kinder konnten sich für jedes gefangene Tier Prämien verdienen. Auch allerlei Gift wurde eingesetzt, um den Nahrungskonkurrenten den Garaus zu machen – mit großem Erfolg. Feldhamster, in Fachkreisen auch als Cricetus cricetus bekannt, starben in vielen Regionen Deutschlands und auch Hessen aus oder wurden auf kleine voneinander isolierte Inselpopulationen reduziert.
Erschlagener Feldhamster auf dem Gelände einer Getreidekooperative in Ungarn 2003
Auch heute noch haben es die kleinen Säuger nicht leicht. Oft werden die Ackerstoppeln direkt nach der Ernte umgepflügt. Die wichtige Deckung als Schutz vor Greifvögeln, Fuchs oder Katze fehlt und durch verbesserte Erntetechnik fällt nur selten ein Getreidekorn auf den Boden. So gelingt es den Tieren kaum noch, genügend Vorrat für den Winter in die unterirdischen Baue einzutragen. Auch Wildkräuter – eine wichtige Nahrungsgrundlage der possierlichen Nager – fehlen auf den großen Ackerschlägen, die nur noch selten von artenreichen Feldrainen und Hecken begrenzt werden.
Weil die possierlichen Hamster in der gesamten Europäischen Union in den letzten 30 Jahren fast ausstarben, regelt die EU-Richtlinie 92/43/EWG aus dem Jahre 1992, besser als Fauna-Flora-Habitat- oder FFH-Richtlinie bekannt, den Schutz der seltenen Nager. EU-weit wird angestrebt, die letzten Populationen in einen „Günstigen Erhaltungszustand“ zu versetzen.
Feldhamster am Bau
Biologie und Ökologie
Die nur 20 bis 35 Zentimeter großen Feldhamster sind meist dämmerungsaktiv. Bei hoher Bestandsdichte sieht man die Tiere auch tagsüber. Die Tiere leben in weit verzweigten, oft mehrere Meter langen und tiefen Gangsystemen mit Wohn- und Vorratskesseln. Die Schlafkammer wird mit weichem Material ausgepolstert. Benutzt sie der Hamster zur Überwinterung, so liegt sie nicht selten bis zwei Meter unter der Erdoberfläche. In ihrer Nähe befinden sich auch die Vorratskammern, die im Herbst mit durchschnittlich drei bis fünf Kilogramm Sämereien und Pflanzenmaterial aufgefüllt werden. Männchen und Weibchen bewohnen getrennte Baue. Sie sind gegeneinander unverträglich und bissig.
Neben Pflanzensamen, besonders Getreide, verschmäht der Hamster auch gelegentlich Insekten und selbst den einen oder anderen Jungvögel nicht. Transportable Nahrung wird in die dehnbaren Backentaschen gestopft und in den Vorratsbau gebracht.
Trächtige Weibchen findet man von April bis August. In guten Hamsterjahren gibt es zwei Würfe mit vier bis zwölf Jungen pro Wurf. Ist der Lebensraum hamstergerecht, können die Jungen schon nach vier Wochen den Mutterbau verlassen und sich bereits nach drei Monaten selbst wieder fortpflanzen. Diese hohe Fortpflanzungsleistung erklärt, weshalb Hamsterbestände früher geradezu explosionsartig anwachsen konnten.
Verbreitung und Bestandssituation in Hessen
Der Hamster besiedelte ehemals von Süden nach Norden ein relativ zusammenhängendes Gebiet von den Landkreisen Bergstraße und Groß-Gerau, über die Taunusregion und das Rhein-Maingebiet bis in die Wetterau und den Landkreis Gießen hinein. Vorkommen gab es auch im Lahn-Dill Gebiet, im Amöneburger Becken. Ganz im Westen wurde die Region um Limburg besiedelt. In Osthessen konnten Feldhamster im Vogelsbergkreis, dem Kreis Fulda sowie dem Main-Kinzig-Kreis nachgewiesen werden. Einzelvorkommen sind aus dem Kreis Offenbach und dem Kreis Darmstadt-Dieburg und rund um Kassel bekannt.
Mittlerweile hat dieses ehemalige Verbreitungsgebiet große Lücken. Doch noch sind die kleinen Pelzträger in Hessen beheimatet. Und nicht nur das: Sie haben sogar Freunde und Unterstützer gefunden.
Organisiert in der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz (AGFHA) bemühen sich seit einigen Jahren Matthias Gall, Olaf Godmann und deren Mitstreiter um das Überleben von Cricetus cricetus und organisieren derweil die Rettung der letzten isolierten Vorkommen. Vor allem in der Wetterau ist die AGFHA tätig. Hier wird der Feldhamster auch heute noch regelmäßig angetroffen mit Schwerpunkt rund um Friedberg. Auch im Norden Frankfurts, im Main-Taunus-Kreis und Wiesbaden wurden Olaf Godmann und Matthias Gall fündig. Erfolgsmeldungen kommen ebenso aus Südhessen. Hier konnten die „Hamsterjäger“ des NABU-Kreisverbandes Bergstraße die Erdbauten des Pelzträgers vor allem nördlich von Bürstadt ausmachen.
Noch sind nicht alle hessischen Restvorkommen bekannt und erforscht. Daher sind die AGFHA und der NABU Hessen dankbar für neue Hamsterbeobachtungen. Vor allem Landwirte, Jäger, Förster und Naturschützer aber auch aufmerksame naturkundige Spaziergänger sind aufgerufen, der AGFHA oder dem NABU aktuelle Hamsterbeobachtungen mitzuteilen.
Hamsterstreifen: Ein angelegter Schutzstreifen in Ackerflächen
Schutzmaßnahmen
Die Beobachtungen sollen auch dazu dienen, konkrete Schutzmaßnahmen einzuleiten und den landesweiten Rückgang des Säugers zu stoppen. Die Maßnahmen reichen von der kurzzeitigen Brache über hamsterfreundlichen Ackerbau mit flacher Bodenbearbeitung und spätem Umbruch bis hin zu nicht abgeernteten Teilflächen.
Besonders beliebt sind bei den agilen Untergrundbewohnern sogenannte Hamsterstreifen. Auf mehrere Meter breiten Ackerstreifen wird das Getreide bei der Ernte in mindestens 30 Zentimeter Höhe geschnitten. Am Rande dieser Ackerstreifen befinden sich Erntestreifen, auf denen das Getreide bis zur Aussaat der Folgekultur stehen bleibt. Die Hamsterstreifen wurden 2003 von Landwirten im Wetteraukreis erprobt und sehr gut angenommen. Auch mit der nagerfreundlichen Aussaat besonderer Leckerbissen, wie Gerste, Hafer, Erbse, Ackerbohne, Luzerne oder speziellen Kräutermischungen können sich Landwirte bei „Hermann“ und seinen Artgenossen beliebt machen.
Für Landwirte, die Bodenbearbeitung und Erntezeitpunkt auf die ökologischen Ansprüche der kleinen Pelztiere abstimmen, winken attraktive Förderprogramme über das Hessische Landschaftspflegeprogramm (HELP) oder das Hamster-Patenschafts-Programm der AGFHA. Bewirtschaften muss man die neuen Hamster-Areale in jedem Fall. Hamster mögen keine Dauerbrachen. Als typische Bewohner osteuropäischer Steppen kommt der Feldhamster in Mitteleuropa nur in ausgedehnten „Kultursteppen“ vor. Hier bevorzugt Cricetus cricetus warme, lockere Böden mit Getreidebau.
Gefördert werden durch die Hamster-Maßnahmen auch weitere mittlerweile seltene Arten der Kulturlandschaften wie Rebhühner, Wachteln oder auch Feldlerchen. Besonders der europaweit geschützte Rote Milan freut sich über Hamsterschutzmaßnahmen – stehen gut genährte Feldhamster doch ganz weit oben auf seinem Speiseplan.
Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz

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