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Tag der Artenvielfalt 2006

GEO-Tag der Artenvielfalt 2006

Am 9. /10. Juni 2006 am Halberg bei Neumorschen

Halberg

Die Landesarbeitsgruppe Entomologie des NABU Hessen lud in diesem Jahr nach Neumorschen ein (Schwalm-Eder-Kreis). Untersuchungsobjekt war - wie schon einmal im Jahr 2000 - der Halberg mit seinen Magerrasen und artenreicher Flora und Fauna.

Die Aufgabe: Möglichst viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten zu entdecken.


9. Juni: Fledermäuse und Nachtschmetterlinge

Am Freitag um 21.30 Uhr trafen sich etwa 20 interessierte Personen, darunter 10 Kinder auf der Marktstraße in Neumorschen um unter Anleitung von Herr Marko König (Bad Hersfeld) und Herrn Torsten Cloos (Marburg) die Fledermäuse des Halberges und seiner Umgebung kennen zu lernen. Bei windigen, leicht kühlen Witterungsbedingungen konnten dann 2 Fledermausarten festgestellt werden; der Große Abendsegler und die Zwergfledermaus.

Bechsteinfled.

Gleichzeitig fand im waldigen Teil des Halberges eine Lichtfangaktion zur Erfassung der Nachtfalter und Köcherfliegen statt. Die Experten Achim Flügel (Knüllwald), Dr. Beate Wolf (Schlitz) und Rolf Angersbach (Melsungen) waren wider Erwarten positiv vom reichen Anflug an Insekten überrascht.

Für die beteiligten Kinder war es aufregend zu erleben wie viele Insekten nachtaktiv sind und konnten endlich auch die Nahrungsgrundlage der Fledermäuse kennen lernen. Gegen 24.00 Uhr fand dieser Teil der Veranstaltung ein Ende.

10. Juni: Magerrasen-Erforschung und Ziegen-Auftrieb

Es kann losgehen

Dann kann es ja losgehen ...

Bei Tageslicht ging es am nächsten Morgen weiter: 30 Personen traffen sich am Samstag an der Grillhütte auf dem Halberg um an dem gemeinsam von der NABU LAG Entomologie, dem NABU Kreisverband Schwalm-Eder und dem Lebendigen Bienenmuseum Knüllwald organisierten Tag der Artenvielfalt teilzunehmen.

Einfuehrung

Von links: GEO-Mitarbeiter Oliver Abraham, Andreas Gründel, die beiden LAG-Sprecher Achim Flügel und Rolf Angersbach, Torsten Cloos.

Die Hauptveranstaltung begann am Samstag gegen 10.00 Uhr mit einem Einführungsvortrag des Sprechers der NABU LAG Entomologie Rolf Angersbach. Dr. Wulf Rheinwald sprach ein Grußwort des NABU Kreisverbandes Schwalm-Eder, danach konnten die Teilnehmer entweder zu eigener Forschung auf den Halberg aufbrechen, oder sich als Laie einer durch den Biologen Torsten Cloos geführten Wanderung um den Halberg anschliessen.


Vom Pliz über Wildbienen bis zur Limnofauna - Spezialisten nehmen Halberg und Wichtebach unter die Lupe

Flora und Fauna

Wolfgang Lehmann (Korbach)untersuchte die Gallenfauna auf dem Halberg,und Dr. Siegfried Ingrisch (Bad Karlshafen) befasste sich mit den Heuschrecken.

Die Sprecher der NABU LAG Entomologie machten sich zwischenzeitlich gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Zeitschrift GEO auf die Suche nach dem Deutschen Ziest (Stachys germanica) und die mit ihm verbundenen Wollbienen der Gattung Anthidium. Hans-Joachim Flügel, NABU-Insektenkundler und Leiter des Lebendigen Bienenmuseum Knüllwald, erklärt, warum Wildbienen für den Ziest schwärmen: Wollbienen polstern ihr Nest mit Pflanzenwolle aus, die sie vom Ziest abschaben. Auch den Nektar nutzen sie gerne. In der Zeitschrift GEO soll diese Beziehung portraitiert werden.

Eintagsfliege

Larve einer Eintagsfliege

Roman Krettek aus Wolfhagen setzte die im Frühjahr begonnene Erfassung der Großpilze des Halberges fort. Inzwischen sind etwa 100 Pilzarten vom Halberg bekannt. Dr. Jürgen Fichter, Paläontologe am Naturkundemuseum Kassel begann mit der geologisch -paläontologischen Bearbeitung des Halberges.

Dr. Beate Wolf und Andreas Gründel befassten sich mit der Limnofauna des am Halbergfuß vorbeifließenden Wichtebaches.


Informationsaustausch beim Imbiss

Staerkung am Mittag

Wer fleißig forscht, muß sich auch stärken

Gegen 13.00 Uhr war Mittagspause: bei Hausmacherbratwürsten und kühlen Getränken konnten sich die Teilnehmer stärken und auf den Nachmittag vorbereiten.

Der Bürgermeister der Gemeinde Morschen Herr Wohlgemuth und der Ortvorsteher von Neumorschen Herr Roß nutzten die Gelegenheit zu einem kurzen Grußwort.

Zu Besuch: NABU-Präsident Olaf Tschimpke und der hessische Vorsitzende Gerhard Eppler

Gaeste vom Vorstand

Rolf Angersbach, Gerhard Eppler, Herr Ross, Olaf Tschimpke und Eberhard Driehaus

Rechtzeitig zur Grillrunde gab es überraschenden Besuch: der Landesvorsitzende des NABU Hessen Gerhard Eppler (2.v. links) und der Präsident des NABU Bundesverbandes Olaf Tschimpke (mit weißem Hemd) gaben sich die Ehre und wurden gerne mit verköstigt.

Ergebnisse werden veröffentlicht

Abschluss

Von links: Gerhard Eppler, Wolfgang Lehmann, Bgm. Wohlgemuth, Dr. Siegfried Ingrisch, Herr Ross, Eberhard Driehaus, Eckhard Rogée und Dr. Beate Wolf

Während der Pause wurde die Gelegenheit genutzt vor der Öffentlichkeit und der anwesenden Presse nochmals die Grundgedanken des Halbergprojektes zu erläutern und ein kurzes Fazit zu ziehen. Vorgestellt wurde auch der gerade druckfrisch erschienene erste Teil der wissenschaftlichen Bearbeitung des Halberges. Diese Publikation erschien in der Zeitschrift "Philippia" des Kasseler Naturkundemuseums (Steinweg 2, 34117 Kassel) und ist auch dort zu beziehen (s.u.).

Kein Magerrasen ohne Beweidung

Thueringer Waldziegen

Die Ziegen vom Halberg: sie halten Büsche und Gehölze kurz, damit Enziane und Orchideen wachsen können

Unabdingbar für die Erhaltung des Magerrasens ist die regelmäßige Beweidung. Ziegen halten die Vegetation kurz und verhindern das allmähliche Verbuschen und Zuwachsen der auf Licht und Wärme angewiesenen Flora und Fauna. Wie das vor sich geht, konnten die Besucher am Tag der Artenvielfalt aus erster Hand kennenlernen:

Der Höhepunkt des Tages: Ziegen-Auftrieb

Ziegenauftrieb

Mit Spannung erwartet, traf gegen 14.00 Uhr der Ziegentransport ein. Eckard Rogée brachte 20 seiner Thüringer Waldziegen mit. Ihnen wird die Landschaftspflege-Arbeit am Halberg in den nächsten Wochen anvertraut.

Auch einmal Ziegenhirte sein: Alle Anwesenden halfen mit beim Auftrieb der Ziegen auf die zu pflegenden Flächen.

Und schon bei der Arbeit

Auftrag verstanden und schon bei der Arbeit ...

Zur Arbeit braucht man die Ziegen nicht lange zu bitten: eifrig machten sie sich sogleich über die Vegetation her. Sie werden nun einige Zeit beschäftigt sein, die gewünschte Wirkung herzustellen.

Für die menschlichen Teilnehmer hingegen war nun die Veranstaltung beendet.

Ein erfolgreicher Tag bei bestem Exkursionswetter

Schlingnatter5

Wärmeliebend und harmlos: die Schlingnatter

Insgesamt konnten fast 300 Tier- und Pflanzenarten festgestellt werden. Als Besonderheit gelang der Wiederfund der Schlingnatter, welche zuletzt beim GEO-Tag 2000 am Halberg beobachtet wurde. Diese Schlangenart kommt im Umfeld regelmäßig aber zerstreut vor. Funde existieren aus Niederbeisheim, Oberellenbach und Eubach.


mehr Portrait der Schlingnatter

Interessenten sind herzlich willkommen!

Wer nun Lust bekommen hat, im nächsten Jahr selbst dabei zu sein oder an anderen Erhebungen der LAG Entomologie mitzuwirken, ist herzlich willkommen, Kontakt mit Rolf Angersbach oder Achim Fügel aufzunehmen!

mehr mehr zur LAG Entomologie...

mehr zum Lebendigen Bienenmuseum

Publikationen

NABU-Veröffentlichungen zu den Untersuchungen am Halberg

Viele bisherige Ergebnisse der wissenschaftlichen Bearbeitung des Halberges sind in der Zeitschrift "Philippia" des Kasseler Naturkundemuseums (Steinweg 2, 34117 Kassel) erschienen und sind auch dort zu beziehen.

Als Beiträge dort u.a.:

Angersbach, R. & H.-J. Flügel (2006): Das Magerrasenprojekt am Halberg, einem Kalkhügel bei Neumorschen (Nordhessen, Fuldatal).- Philippia 12(3):185-190, Kassel.

Angersbach, R. (2006): Die Großschmetterlingsfauna (Makrolepidoptera) des Halberg bei Neumorschen.- Philippia 12(3):263-268, Kassel.

Flügel, H.-J. & R. Angersbach (2006): Heuschrecken, Ameisengrillen, Schaben und Ohrwürmer (Orthoptera, Blattodea et Dermaptera) am Halberg, einem Kalkhügel bei Neumorschen (Nordhessen, Fuldatal).- Philippia 12(3):221-224, Kassel.

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