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Rettung für Frankfurter Wechselkröten
Rettung für Frankfurter Wechselkröten
NABU-Gruppe Frankfurt siedelt bedrohte Population um
Bufo viridis - in Hessen vom Aussterben bedroht - in Frankfurt? Kaum zu glauben! Aber wahr: In einer mehrjährigen Rettungsaktion bemühen sich in Frankfurt am Main NABU-Aktive um die Rettung einer Wechselkröten-Population, die durch Bebauung bedroht ist.
Die wechselvolle Geschichte einer Rettung mit Hindernissen
Im Jahr 2004 wurde im Frankfurter Mertonviertel auf dem Gelände der VDM - den ehemaligen Heddernheimer Kupferwerken - ein Vorkommen von Wechselkröten festgestellt! Es war ein Schüler, Guiseppe Calla, der bei seinen Streifzügen die Kröten und ihre Kaulquappen in den seit Jahren leer stehenden Baugruben entdeckt hatte. Denn Bodenverseuchungen, eine Hinterlassenschaft der 1982 geschlossenen Kupferwerke, verzögerten immer wieder neue Bauvorhaben und waren der Grund für Bodenaustausch auf Teilflächen und jahrelanges Brachliegen.
Hier haben die Kröten keine Zukunft.
Unbeachtet konnten in dieser Zeit seltene Tierarten wie Flußregenpfeifer und selbst die in Hessen vom Aussterben bedrohte Wechselkröte die Flächen besiedeln. Die wärmeliebende Art, die Rohboden und sehr flache warme Kleingewässer liebt, fand für eine Weile passende Bedingungen - musste aber letztlich der fortschreitenden Bebauung weichen. Doch wohin?
Baustopp und Rettungsaktionen in 2004
Guiseppe Calla im Einsatz.
Als die Wechselkröten dem Umweltamt bekannt wurden, musste ein Baustopp bis zur Schaffung eines Ersatzlebensraumes erlassen werden. Für den Bauherren, die Vermögensverwaltung der Metallgesellschaft (MGVV) sicher eine eher unwillkommene Überraschung.
Doch die Beteiligten bemühten sich um eine angemessene Problemlösung: Ein Ersatzbiotop wurde in der Nachbarschaft zum NSG "Riedwiesen von Heddernheim" auf MGVV-Gelände angelegt, ein Fachbüro sammelte bis zum 7. September 344 Jungtiere und 8 Alttiere ein, die dorthin umgesiedelt wurden.
Der NABU sammelte aber noch weiter. Bis zum 2. Oktober 2004 bargen die Aktiven weitere 994 Jungkröten und 53 Alttiere aus den Baugruben. Da der neu gebaute Ersatzlebensraum für die hohe Zahl der Tiere nicht ausreichte, wurde ein Teil der geborgenen Tiere nun in den stillgelegten alten Flugplatz Bonames umgesiedelt.
Im folgenden Frühjahr 2005 folgte die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Frankfurt den Anregungen des NABU - weitere Teilflächen des alten Flugplatzes wurden amphibienfreundlich gestaltet. In Verbindung mit den aufgebrochenen Schotter- und Schollenfeldern des ehemaligen US-Hubschrauber-Landeplatzes entstand ein wahres Amphibien-Paradies. Würden die Tiere es auch annehmen?
Schon im Mai waren die Rufe von Laubfrosch, Gras- und Teichfröschen und das hohe Trillern der Wechselkröte zu hören - es hatte geklappt!
Rückschlag und erneute Rettungsaktion im Frühjahr 2005
Die Aktiven des NABU überprüften auch im Frühjahr 2005 das Baugebiet, denn sie vermuteten, dass weitere Wechselkröten nach ihrer Überwinterung das Gebiet aufsuchen würden. Und tatsächlich - 140 Alttiere und 34 Jungkröten konnten eingesammelt und in die beiden Ersatzlebensräume umgesiedelt werden.
Fatalerweise stellte sich kurz darauf heraus, dass der Ersatzlebensraum auf dem Gelände der MGVV nicht ausreichend mit Lehm abgedichtet war - die Kaulquappen drohten schon Ende Mai auszutrocknen. Viele Stunden pumpte der NABU aus einem nahen Graben Wasser nach, denn ein Austrocknen zu diesem Zeitpunkt hätte den Tod der Tiere bedeutet. Auch die Feuerwehr beteiligte sich und füllte Wasser nach. Doch noch bevor die meisten Kaulquappen sich in Kröten umwandeln konnten, "kippte" das Gewässer um. Unzählige Wechselkröten-Kaulquappen kamen zu Tode. Im September 2005 wurden die Tümpel auf dem MGVV-Gelände deshalb zusätzlich mit Bentonit abgedichtet und zudem mit einer Pumpe für den Notfall versehen.
Fortsetzung im Jahr 2006
Auch im folgenden Frühjahr wanderten wiederum Wechselkröten ins Baugebiet ein, obwohl dort inzwischen rege Bautätigkeit herrschte. Sie fanden sich jeweils nach Regenfällen dort ein. Die NABU-Aktiven konnten im Lauf des Jahres 319 Wechselkröten aus den Baugruben retten und in die Ersatzlebensräume umsiedeln - für die Tiere die einzige Möglichkeit zu überleben, da sie im Baugelände des Mertonviertels keine Zukunft haben.
Mit der Neugestaltung einer Flutmulde am Urselbach schaffte die Stadt Frankfurt auf Anregung des NABU einen weiteren potenziellen Lebensraum, den die Wechselkröten selbständig erreichen und besiedeln können. Für die Zukunft der Frankfurter Population gibt es nun doch wieder Hoffnung. Und Schüler wie Guiseppe Calla werden weiterhin auf ihren Streifzügen die bunte und eindrucksvolle Amphibie kennen lernen können.
Schwierige Rettung vorerst geglückt!
Ein hoffnungsvoller Neustart für die vom Aussterben bedrohte Art
Mit 520 ausgewachsenen Wechselkröten, die der Frankfurter NABU von 2004-2006 bergen konnte, muss das Vorkommen der in Hessen sehr seltenen Art als bedeutend eingestuft werden. Die Rettung der Tiere sowie die Umsiedlung in eigens geschaffene Ersatzlebensräume trägt der Seltenheit der Tiere und ihrem gesetzlichen Schutz Rechnung und ist ein beispielgebender Baustein zur Erhaltung der Artenvielfalt - selbst im Herzen des Ballungsraumes!
Helfende Hände werden auch weiterhin gebraucht
Wer beim Schutz der Frankfurter Wechselkröten mitmachen oder den NABU Frankfurt anderweitig unterstützen möchte, kann sich auf der Homepage des NABU Frankfurt / Main weiter informieren und Kontakt aufnehmen.
Homepage des NABU Frankfurt / Main

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